Die Stille sehen. Das geht mit MEK!

Eiigenwilliger Träumer: MEK

Eiigenwilliger Träumer: MEK

In der stillen, sommermüden Stadt zur Ruhe kommen mit verträumtem, sanft entschleunigten Chansonpop. Das geht bestens mit MEK und seinen unangestrengten, nachdenklichen Songs zwischen Tag und Traum. Koen Meirlaen, der Musiker hinter diesem Ein-Mann-Projekt aus Gent, macht um sich nicht viele Worte, sondern gibt sich lieber geheimnisvoll. Informationen zur Vita sind nur spärlich vorhanden, was in Zeiten des allgegenwärtigen Informationsüberflusses schon wieder einen gewissen Charme hat. Nur so viel: Der junge Musiker war zuvor bei den inzwischenen verblichenen Indiepopstera Nova Zembla aktiv und verfolgt nun seinen eigenen Weg mit leicht eigenwilligen, zart elektronischen Sounds, die lieber flüstern statt schreien. Und nur ein kurzer Einwurf zu Gent: Man hat fast den Eindruck, dass mindestens jeder zweite der zahlreichen Studenten an der Universität Gent in einer oder mehreren Bands spielt. Das sind fast isländische Verhältnisse! Auch die Vorliebe für leicht experimentelle, knisternde, filmmusik-affine Klänge, wie MEK sie im feinen Video zu „Utoreen“ pflegt, in dem er uns auf eine Fahrt durch die nächtlichen Staßen Gents mitnimmt. Unbedingt zu empfehlen! Der Mann kann aber auch Piaonopop, wie er mit seiner neuen Single „Breathe“ beweist, wo Newcomerin Wanthanee als Gastsängerin überzeugt. Alles feine Songs, aber im noch schmalen Oeuvre von MEK gefällt das lakonische und empfindsame „See The Silence“ fast am besten. Keine großen Töne um sich selbst machen in Zeiten, in denen Prahlerei und Protzerei regieren: Zurückhaltung ist das neue Laut!

 

Schuld war nur der Bossa Nova: Lomboy

Llasziver tropischer Charme mit Lomboy

Llasziver tropischer Charme mit Lomboy

Nach dem überragenden Abschneiden von Blanche als Vertreterin Belgiens beim Eurovision Song Contest, die mit Altstimme und elegant verlangsamter Melancholie im Elektropop-Stil punktete, brauchen wir jetzt ein kleines Kontrastprogramm mit südlich flirrenden Tönen: Vorhang auf für den coolen Bossa-Nova-Pop von Lomboy! Cha-Cha–Cha, so steppen unsere Füße fast von selbst, wenn wir diesen angenehm tropischen Klängen lauschen und schwerelos in Richtung 60er abheben.

Gut vorstellbar, dass Ursula Andress dazu im weißen Bikini aus den Wellen steigt! Oder Elvis Presley sich an Strand von Hawaii räkelt! Lomboy ist das Projekt einer jungen Dame aus Brüssel namens Tanja, die mit Informationen zu ihrer Vita geizt (kluge Frauen wahren ihre kleinen Geheimnisse!) und kürzlich ihre erste EP „South Pacific“ herausgebracht hat, in die man via Bandcamp entspannt hereinhören kann. Passt bestens als Soundtrack für die ersten warmen Maitage auf der Veranda, am besten mit einem pastellfarbigen Cocktail in der Hand! Mademoiselle Lomboy flirtet mit dem unterkühlten brasilianischen Jazz von Astrud Gilberto und dem Lolita-Charme von Vanessa Paradis. Das muss man erstmal peinlichkeitsfrei hinbekommen! Der Titeltrack ist ein souveränes Stückchen Retropop, das gekommt mit dem Kitsch kokettiert, ohne dabei ins Übertriebene abzugleiten. Synthies säuseln,  Chöre schmeicheln und die Surfgitarre girrt lockend. Der  Südpazifik ist  in der Lomboy-Version ein verheißungsvoll glitzerndes Gewässer. Im minimal melancholischen „Same Way“ geht es zwar um unerwiderte Liebe, aber Herzen müssen deshalb nicht brechen. Lieber nimmt uns Lomboy mit auf einen halbironischen Kurzurlaub, wo die Electronics auch mal Schabernack treiben dürfen. Du liebest mich nicht so, wie ich das möchte? Passiert! Schwimme ich eben entspannt zum nächsten tropischen Eiland!

Wie das kniespelt und knuspelt mit Lingerwalt

lingerwalt

Auf ins Land der elektronischen Koboldgeräusche mit Lingerwalt

Über die Fragmentierung nachsinnen. Die eigene und die gesellschaftliche. Das tut der Elektroniktüftler Lingerwalt auf seiner Debüt-EP „Comminuted“. Hört sich kompliziert an. Ist es aber nicht, wenn man ein offenes Ohr für Zwischentöne hat. Ein bisschen frickelig, manchmal tastend und mitunter meditativ, aber immer helllwach klingen diese elektronischen Sounds. Wem beim Wort „Tiefgang“ nicht in Angstschweiß ausbricht, der ist hier genau richtig! Wout Vandenbergh heißt der Mann aus der alten Universitätsstatdt Löwen, der hier sein Debüt vorlegt. Es kniespelt und knuspert hier im wilden Wald der künstlich erzeugten Störgeräusche. Der Albumtitel „Comminuted“ bezieht sich übrigens auf einen komplizierten Bruch, der niemals richtig ausheilt. Das sind subtil verstörende Töne, mit denen Lingerwalt hier spielt. Mitunter mag man zu den nervöseren Tracks fast tanzen, aber am besten gefallen doch die langsamen, souverän schlendernden Songs. Dass der junge Musiker dem Isländer Ólafur Arnalds und dessen frühen Alben ausführlich gelauscht hat, darf man ruhig vermuten. Am besten gefällt hier das irrlichternde, angenehm verlangsamte Stück Absence (Coherende Pt. I), das mit seinem tastenden Piano aufmerksam in Richtung Neoklassik schnuppert und sich behutsam auf Ambient-Terrain wagt. Fragen stellen, ausgetretene Pfade verlassen und sich auf schwankenden Boden wagen: In diesem Sinn ist Lingerwalt ein schüchterner Held!

 

Morbides zur Karwoche mit Krankland

krankland

Zelebriert die Ästhetik verdorbener Früchte: Thomas Werbrouck.

Wenn ein Bandprojekt sich Krankland nennt, dann ist kaum davon auszugehen, dass es sich hier um freundlich lächelnde Frohnaturen handelt. Bei einem solchen Namen ist die Welt irgendwie aus den Angeln! Krankland ist das Projekt von Thomas Werbrouck, der bislang als Mitglied der eigenwilligen Genter Noiserocker Little Trouble Kids aufgefallen ist. Wie die Fama es will, hat Wouters beim Griff in die Pralinenschachtel des Lebens zuletzt nur die Bitterschokolade erwischt. Job verloren, allgemeine Tristesse etc: Da liegt es doch nahe, dass man in der Gemeinschaft von Schmerzensmännern wie Nick Cave , Tom Waits und Elliott Smith Trost sucht. Zumal den Musiker die Schlaflosigkeit plagte. Kann schon sein, dass in den dunkelsten Stunden kurz vor Sonnenaufgang die morbiden Gedanken kommen.  Der Track „Rat Race of the Slugs” vom Album „Wanderrooms“ ist eine echte Schauerballade in bester Tom-Waits-Tradition! Eine Studie in schwarzer Romantik, in der die Spieluhren verstimmt sind und die Dämmerung nicht weichen will. Das Ganze muss einfach in einem victorianischen Gewächshaus spielen! Im Video zu „Rat Race Of The Slugs“ tut sich Sinistres mit einer sehr unangezogenen Dame und verdorbenen Früchten. Man könnte sich fast in ein Gemälde von Werbroucks Landsmann James Ensor versetzt fühlen! Via Bandcamp kann man ausführlich in das krause und wunderliche musikalische Universum von Herrn Krankland hereinhören und muss sich, so viel sei verraten, nicht übermäßig gruseln. An den Drums sitzt hier übrigens Ex-Balthazar-Drummer Christopher Claeys.

Ivy Falls: Fien Deman springt ins Unbekannte

Die Stimme von Fien Deman ist unverwechselbar. Wer sie als Sängerin der Genter Dreampopster I Will, I Swear erlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen. In Erinnerung geblieben ist der erste Deutschland-Auftritt des schüchternen Quartetts beim Golden Leaves Festival in Darmstadt, als mit der zarten Traumverlorenheit dieser Songs mitten am Nachmittag bereits eine zartblaue Dämmerung hereinbrach. Von I Will, I Swear hat man seit geraumer Zeit keine neuen Töne mehr gehört. Vielleicht das auch ein Grund, warum die Sängerin jetzt in neue Gefilde aufbricht?

Strebt mit Ivy Falls auf den mitternächtlichen Dancefloor: Fien Deman.

Strebt mit Ivy Falls auf den mitternächtlichen Dancefloor: Fien Deman.

Fien Deman will über den gehobenen Flüsterpop hinausgehen und hat ihr Soloprojekt gegründet, bei dem es mehr in Richtung reduzierten Elektronikpop geht, zu dem man verlangsamt tanzen kann. Ivy Falls heißt diese musikalische Neuorientierung. Es ist sind verschattete Pastellsounds, die Fien Deman hier pflegt. Sehr elegante, zart angejazzte, leicht chansoneske Töne, denen man in den Stunden zwischen Tag und Traum bestens lauschen kann. Geheimnisvoll und erwachsen kommt die Stimme der Sängerin heute daher. Nur noch ein Hauch Schüchternheit ist geblieben. Fien Deman strebt dazu eher auf den mitternächtlichen Dancefloor als ins stille Kämmerlein für Solo-Träumer. Eine Konstante gibt es aber: Die zarte, schwebende Melancholie ist geblieben, wie auf dem einzig bislang vorliegenden Track „Silver“ deutlich zu hören ist. Musikalische Unterstützung hat sich die Chanteuse bei Mitgliedern von  Sleepers´Reign und Tsar B geholt. Die Debüt-EP von Ivy Falls soll in naher Zukunft herauskommen und den schönen Titel „Mean Girls“ tragen. Klingt so gar nicht mädchenhaft!

(Foto: ©Alexander Popelier)

Stille Töne aus dem Hochmoor: Pale Grey

Stille Träumer: Pale Grey

Leise Träumer: Pale Grey

Von einer Auszeit an der See träumen: Wunderbare Sache! Herrliche Stille, strahlende Sonne! Pale Grey  wünschen sich an den ruhigen Strand. Das Quartett mit Wohnsitzen in Liège und Brüssel feiert im Track „Seaside“ die schüchterne, tiefentspannte Variante des Indiepop und flirtet mit sanften Tropicana-Elementen. Glaubt man den Veranstaltern des Brüsseler Botanique, dann befindet sich der Proberaum der Band in einer Garage in der abgelegenen, windumtosten Hochmoorlandschaft der Hautes Fagnes, hart an der Grenze zu Deutschland und den Niederlanden nahe Aachen. Wer mal in der Nähe ist: Hinfahren! Der Himmel über den Hautes Fagnes ist weiter als anderswo!

Pale Grey sind unauffällige Helden: Denn wenn es Musiker wie diese nicht gäbe, dann stürbe der Pop mal irgendwann an innerer Auszehrung, Denn Pale Grey sind seit dem Jahr 2010 aktiv, haben ein Album und eine EP vorgelegt. Sind auf freundliches Interesse gestoßen, ihrer Heimat ausführlich auf Tour gewesen, aber einen größeren Durchbruch haben sie nie erlebt. Dem feinen taubengrauen Album „Best Friends“ kann man an dunstigen Regentagen bestens lauschen. Reinhören empfohlen via Bandcamp! Die Jungs von Pale Grey lassen sich von ausbleibender größterer Anerkennung nicht von ihrem kreativen Tun abhalten. Machen unverdrossen weiter. Weil sie von diesen still euphorisierenden Sounds nicht lassen wollen, so die wahrscheinlichste Erklärung. Aktuell stecken Pale Grey in den letzten Vorbereitungen zur Veröffentlichung ihrer neuen EP „Ghosts“, die sie bei den magischen Nuits Botanique 2017 vorstellen werden. Der Track „Seaside“ hat zwar auch schon ein paar Monate auf dem Buckel, ist aber eine schöne Visitenkarte für alle, die die Band aus dem Hochmoor kennenlernen wollen!

 

 

 

Bisschen viel Melodrama mit Valkø

Die Frau in Weiß: Valkø

Die Frau in Weiß: Valkø

Cinematographischer Pop: So beschreibt die Brüsseler Chanteuse Valkø den eigenen Stil. Junge Frau mit den Blumen in den Haaren, das ist aber reichlich vage! Denn diese Töne sind doch eine wilde Mischung aus Melodrama, Opernpop, Musical, Elfenzauber, Eurovision-Glam und einer guten Prise Franco- und Italopop. Ganz zu schweigen von den Schauerroman-Einflüssen! Wenn dazu keine Windmaschine wilde Luftmassen durch die wallenden Gewänder bläst, dann läuft hier etwas falsch. Uff!

Geiger schwelgen, Gefühle sind gigalinergroß und eine kieksende Grenzwerthysterie ist auch nicht fern. Klingt furchtbar? Nein, es handelt sich hier nicht um den Song-Contest-Beitrag aus Armenien oder Montenegro, sondern um eine Produktion aus der ach so langweiligen Eurobürokratenmetropole Brüssel. Valkø war bereits vor einigen Jahren unter dem Künstlernamen Auryn unterwegs, hat sich aber jetzt für einen Neuanfang unter neuem Namen entschieden. Mit Valkø spielt sie mit dem finnischem Wort für die Farbe Weiß. Und traut sich was: Denn das Titelstück der Debüt-EP „This Kind Of Game“ trägt sehr dick auf, schwelgt in barocken Gefühlen und ist trotzdem ein großer Spaß. Ein bisschen Plüsch muss sein, denn wir wollen nicht alle Tage Knäckebrot mit Kräuterquark essen. Und wenn man genauer hinhört, dann ist diese überkandidelt Chanteuse eine große Freundin von Vaudeville und Schauerballade. Wohlig erschauern, grenzwertkitschig auftrumpfen – das ist  unbedingt eine Kunst! Die Frau in Weiß spielt wie einstens der Victorianer Wilkie Collins mit Geheimnis und Übernatürlichem. Kann man durchaus mal goutieren, das! Über die Ästhetik des Videoas lässt sich streiten, aber das reißen Synthies und Streicherglam wieder raus!

 

Grenzen folkigpoppig überwinden mit Estbel

In Zeiten, in denen Abschottung und nationaler Egoismus als das neue Allmittel gefeiert werden, sollte man den Rücken durchstrecken und sich schleunigst von der irrigen Vorstellung verabschieden, dass man die Dinge viel besser alleine hinkriegt. Welch ein Unsinn, das man seine Nachbarn nicht braucht! Und man kann sich ganz besonders über Musiker wie Estbel freuen, die Landesgrenzen gemeinsam überwinden, statt dumme Mauern aufzubauen. Estbel, das sind, wie der Name schon nahelegt, vier Musiker aus Belgien und Estland. Die Stimmen der estnischen Sängerinnen Leana Vapper und Sänni Noormets vertragen sich bestens mit Akkordeon und Violine von Hartwin und Ward Dhoore. Und den estnischen Songtexten!

Estland und Belgien harmonieren bestens!

Estland und Belgien harmonieren bei Estbel

Baltische und flandrische Klänge halten hier Händchen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Wo sich die Vier kennengelernt haben, wird in der kurzen Biografie leider nicht erwähnt, aber ich würde mal annehmen: Innerhalb der offenen Grenzen Europas! Mit Estbel geht es anmutig und flinken Fußes durch die skandinavischen Wälder und introspektive flandrische Gemütslandschaften. So hört sich empfindsamer Folkpop an! So weit ich das überblicke, haben Estbel kürzlich ihr Debütalbum „Saar“ herausgebracht und spielen im März auf der legendären Tallinn Music Week. Die Dhoore-Brüder sind in Belgien als akustische Folkband bekannt, die sich mit traditionellen Klängen ihrer Heimat beschäftigen. Die Estinnen sind mit ihren träumerischen Stimmen in der lebendigen Szene ihrer Heimat aktiv. Ausführlicher hereinhören in die Welt von Estbel kann man via Soundcloud, wo es nicht nur himmlische Harmonien zu entdecken gibt, sondern auch feine akustische Fidelklänge. Traditioneller Folk ist das mit Sicherheit nicht. Und dem feinen Song „St. P.“ kann man bestens zwischen Tag und Traum lauschen!

Foto: Kameleon Klips

Der Strahlemann: Témé Tan. Belgium Booms at Eurosonic 2017

Wie er mit seinem Wuschelkopf oben auf der improvisierten Bühne im gemütlichen Plato-Plattenladen in der Groninger Innenstadt steht und mit einem großen Strahlen im Gesicht an seinen elektronischen Gerätschaften hantiert: Mit Témé Tan geht selbst im grauesten Groninger Januar die Sonne auf. Témé Tan alias  Tanguy Haesevoet ist ein neugieriger und superlebendiger Grenzgänger zwischen Brüssel und Kinshasa. Im Alter von sechs Jahren kam er aus der afrikanischen Metropole nach Belgien und hat den Kontakt in die alte Heimat nie abreißen lassen. Auf dem Eurosonic Festival 2017 im niederländischen Groningen ist der junge Musiker Teil der großen Delegation aus dem Nachbarland („Belgium Booms At Eurosonic“). Und eine der schönsten Entdeckungen! Denn Témé Tan schafft es mit verspielter Leichtigkeit, Afro- mit Elektronikpop, Dance und HipHop zu verbinden. Er selbst bezeichnet seinen Sound als „Glamarous Tribal“ und bringt die Dinge damit bestens auf den Punkt. Tanzen kann man bestens zu diesen flirrend-tropischen Klängen! Neben mir steht beim improvisierten Konzert im Plattenladen der Soundmann von Témé Tan, der die Dinge souverän über seinen Laptop managt und lauthals mitsingt. Da ist ein echter Fan an den Reglern! Dass er auch Tiefgang hat, beweist Témé Tan mit „Améthys“, einem zart melancholischen temeund überaus lebensbejahenden Song über seine jüngst verstorbene Mutter. „Wenn ich an Dich denke, dann tanze ich“: Wenn das keine schöne Botschaft ist! Sehr fein und sehr politisch ist auch die Single „Ca Va Pas La Tete“ (übersetzt etwa: Geht´s noch?) Dieser Track hat einen dezidiert politischen Hintergrund und wurde bereits 2014 in Guinea aufgenommen, als dort Ebola wütete und das gesamte westafrikanische Land stigmatisiert wurde. „Ich wollte meinem Freunden und meiner Familie in Europa zeigen, wie lebendig und positiv die Menschen in Guinea trotz dieser schwierigen Lage waren“, sagt Témé Tan zum Hintergrund des Songs. Ernste Botschaft, mit leichter Hand dargeboten: Bitte mehr davon!

(Foto: Miko/Miko Studio)

 

 

Die Welt steht still mit Jan Swerts

Den besten Start ins neue Jahr bietet im neuen Jahr stets das Eurosonic Festival im niederländischen Groningen in der zweiten Januarwoch. Natürlich fahre ich hin, ich rieche schon die Waffeln und den Fisch auf dem Marktplatz! Jede Menge europäische Newcomer und natürlich auch viel versprechende Newcomer aus dem Nachbarland Belgien sind vertreten, die sich in Groningen unter der Flagge Belgium Booms At Eurosonic versammeln. Ganz besonders freue ich mich auf Warhaus und auf Tsar B. Und auf Jan Swerts!

Denn jaaanJan Swerts, der Minimalistik-Popster aus dem Örtchen Sint-Truiden, versteht es auf wunderbare Weise, die laute Welt zum Stillstand zu bringen. Swerts ist der Mann, der Trost in der Melancholie findet. Der Musiker bewegt sich zwischen Neoklassik, reduzierter Filmmusik und erhabenem Postrock. Dass Herr Swerts stimmlich nicht wenig an Sigur-Rós-Sänger Jónsi erinnert, das lässt die isländischen Assoziationen fliegen! Der Mann am Piano hat kürzlich sein drittes Album „Schaduwland“ (Shadowland) vorgelegt, das er als „den verzweifelten Soundtrack einer zombiefizierten Existenz“ bezeichnet, nachdem ihm das Schicksal im Jahr 2014 mehrere üble Tiefschläge verpasste. Krankheit, Tod der Mutter,Einsamkeit. Aber keine Angst: Das ist sind wahrlich keine Depri-Sounds, die Swerts hier vorlegt, sondern feinfühlige Miniaturen, die den Schmerz auf zärtliche Weise sublimieren. Zu diesen dunkelblauen Tönen mag man traumverloren die Augen schließen! Und es passt natürlich bestens, dass der Musiker sein Album in Groningen in der wunderbaren Kathedrale vorstellt, der AA Kerk. Wo immer die andächtigste Atmosphäre auf dem Festival herrscht, aber die geschäftstüchtigen Holländer gerne ein Glas Wein verkaufen, an dem man sich zu feierlichen Tönen festhalten kann. Das stimmungsvolle Live-Video von Sverts im legendären Club Ancienne Belgique in Brüssel steigert die Vorfreude! Zu den schönsten Tracks gehört das streicherumschmeichelte „Kijk, Jessica, kijk naar al die lege wegen“.