Die sommersprossige Drama-Queen: Isolde Et Les Bens

Oh lala, Mademoiselle! 60ies-affiner Francopop, aber auf englisch! Isolde Lasoen, die treibende Kraft hinter Isolde Et Les Bens, ist sowieso eine junge Dame, die mit einigen Überraschungen aufwartetet. Denn eigentlich ist sie bisher vor allem als Schlagzeugerin beim flämischen Sänger Daan aufgefallen. Aber singen kann sie auch! Bei Isolde Et Les Bens geht es intelligent nostalgisch und unterkühlt melodramatisch zu. isoldeUnd irgendwo aus der Ferne winkt France Gall mit dem Chiffon-Schal! Der Track “Wishful Thinking” mit seinen üppigen Streicher-Arrangements und dem hyperemotionalen Piano ist großes Kino. Und das dazugehörige Video enthüllt neben den Abgründen hinter den bürgerlichen Fassaden auch noch die Tatsache, dass Drama-Queen Isolde sehr aparte Sommersprossen und Katzenaugen hat. Bislang hat die Chanteuse aus Gent nur die EP “L’Inconnu” vorgelegt. Auf der sich übrigens ihre ganz eigene Interpretation des Titeltracks aus dem 7oer-Erotikklassiker “Emmanuelle” befindet.Allein dieses Faktum macht bereits neugierig! Zu den Bewunderern Serge Gainsbourgs zählt Isolde natürlich auch – vor allem wegen der verstecketen Bedeutungen, die sich hinter seinen Chansons verbergen! Und brasilianische Musik: Weil diese ebenso sinnlich wie melancholisch ist! Dem ist nur zuzustimmen!

Hymnische Töne mit den Kings Of Edelgran

Einfach mal so in Richtung lichtblaue Himmel abheben! Mit den Kings Of Edelgran ist es ganz leicht, die Flügel weit auszubreiten! Jérome Caudron und Josias Delcourt sind zwei Schwärmer aus dem Örtchen Tubize in Wallonisch-Brabant in der westlichsten Landesecke Belgiens. Die ihre ganz eigene Nische zwischen Folk-, Elfen- und Indierock besetzen. Und es dabei fertigbringen, auf federleicht hymnisch zu klingen. edelBeeinflussen lässt man sich von nordischer Natur (diese Jungs müssen einfach schon auf Island gewesen sein!) und von offenen, wilden Landschaften. Klingt romantisch? Ist romantisch, auf eine herbe Art. Ach ja, und “Edelgran” heißt Tanne auf Norwegisch. Nichts da Edelweiß!

Symphonisch. Sakral. Kammerpoppig. Balladig. Auf epische Weise nachdenklich. Mit kleinen Gefühlen halten sich die Kings Of Edelgran erst gar nicht auf. Bei himmlischen Harmoniegesängen sind sie so recht in ihrem Element. Doch um das Erschaffen von esoterisch angehauchten Heilewelt-Szenarien geht es dem Duo sicherlich nicht. Vielmehr sind die beiden Bartträger offenkundig auf der Suche nach der blauen Blume, dem unerreichbaren Ziel ihres Sehnens. Da wird einem mitunter wund ums Herz! Die Kings Of Edelgran haben kürzlich ihre EP “Volcano” vorgelegt, die bei aller Schwärmerei auch einen feinen Ernst pflegt. Besonders das ausufernde Titelstück gefällt ausnehmend gut! Damit lässt es sich doch bestens in den belgischen Nationalfeiertag morgen hineinträumen!

 

Bambi, Laser und Acid mit Seiren

Ausgetüftelte elektronische Beats mit jazzigen Vocals kombinieren. Unterkühlte Soundlandschaften von geschmeidiger Eleganz schaffen. Neugierige Ausflüge ins luftige Chansonfach wagen. Spröde experimentelle Töne erproben. Mitunter leise urbane (Schauer)Märchen erzählen. Keine Scheu vor der gefühlsbetonten Pianoballade zeigen. Und dabei durchaus clubaffin für die mondsüchtigen Stunden nach Mitternacht zu klingen: Seiren aus Gent haben keine Scheu vor Genregrenzen. Das Trio hat erst vor etwa einem Jahr in der jetzigen Besetzung zusammengefunden, als sich Sängerin Charlotte Jacobs and Drummer Gert Malfliet dem Soundtüftler Jens Paeyeneers anschlossen. Die Bandbeschreibung “Imagine Bambi with lasers and acid” nimmt jedenfalls ziemlich für die Newcomer ein. Die auf Englisch und Niederländisch singen. Und sich erfreulicherweise alle Zeit der Welt lassen, um den eigenen Sound zu entwickeln. Seiren (ausgesprochen wie die Sirene auf Englisch) haben kürzlich ihre erste, angenehm komplizierte EP “Architekt” vorgelegt, in der man sich an langen Sommerabenden mit sich endlos hinziehender Dämmerung bestens verlieren kann. Sehr gut gefällt der balladige, trauumverlorene, auf niederländisch gesungene Track “Helder”. Via Bandcamp kann man der gesamten EP lauschen.

 

Diese Stiefelchen marschieren: Eriksson Delcroix

Erwachsene musikalische Dialoge zwischen Mann und Frau. Auf Augenhöhe. Ganz schön selten, so etwas! Jugendliche Anschmachterei oder erotischen Schlagabtausch gibt es zuhauf. Aber unaufgeregte, eher unterkühlte Konversation mit sinnlichen Untertönen ist heutzutage kaum zu finden. Man denkt an das klassische 60ies-Powerpaar Nancy Sinatra und Lee Hazlewood und seufzt. Sehr lange her, das! Aber halt: In Antwerpen hat sich ein musikalisches Paar gefunden, bei dem die Funken zwischen Bluegrass und Countrypop stieben. Bjorn Eriksson und Nathalie Delcroix, künstlerisch und privat verbandelt, nennen sich als Duo simpel Eriksson Delcroix. Er ist bislang vor allem als Gitarrist bei den legendären Zita Swoon hervorgetreten, sie singt bei Birds That Change Colour, die in diesem Blog bereits lobende Erwähnung fanden. erikssonGemeinsam ist beiden eine ausgesprochene Vorliebe für entspannten Neo-Südstaaten-Countrypop zwischen Mangrovensümpfen und heißer Wüstenluft. Melancholisch und heiß zugleich! Für ein Filmmusik-Projekt nahm Eriksson zwölf Bluegrass-Klassiker neu auf und eroberte in Belgien damit auf Anhieb die Spitze der Album-Charts. Doch dabei nicht stehengeblieben: Mit Nathalie Delcroix entstanden neue, eigene Songs voller Banjo-Verliebtheit und coolem Retro-Charme, die so garnicht sklavisch-nostalgisch daherkommen. Mit “For Ever” legte das Duo vor einem Jahr sein Debütalbum vor, eine fein zurückgenommene, zuckerfreie Variante des Countryfolk mit stark poppigem Einschlägen. Ein breites Lächeln geht Richtung 60er Jahre. Mit “Walking” legt das Duo eine souveräne Hommage an den Klassiker “These Boots Are Made For Walking” hin und bringt die nur scheinbar nostalgischen Vibes entspannt ins Hier und Jetzt. Hier sitzt jeder Ton genau dort, wo er hingehört. Nicht zu viel und nicht zu wenig! Und auf die Idee, dazu ein Video am heimischen Küchentisch zu drehen, auf die muss man auch erst einmal kommen. Erwachsene Liebe kann so aufregend sein!

Träge Eleganz mit Bright Entity

In Brüssel läuft man sich eben über den Weg. Der DJ Michiel und die sanftstimmige Chanteuse Ciska haben das zum Beispiel getan. Seit einiger Zeit arbeitet das Duo unter dem Namen Bright Entity bereits zusammen, aber erst jetzt hat man eine Debüt-EP namens “Flying While Standing” beim neuen Brüsseler Label Holger Tracks herausgebracht. (Auf diesen Namen muss man auch erstmal kommen, Respekt!). Eilig haben es Bright Entity mit ihrem reduzierten Synthies-Sound im 8oer-Style minus Disco-Bombast eher nicht. Lieber pflegt man eine eine elaborierte, träge Eleganz, die von der sinnlichen Stimme Ciskas getragen wird, die sich hier mit angenehmer Zurückhaltung in der französischen Chanson-Tradition bewegt. Und unbedingt im Kleinen Schwarzen auftreten muss! Ein Hauch von Visage-Fade-To-Grey-Nostalgie wabert wie dezent eingesetztes Trockeneis durch Tracks wie “Everything Is Real”. Erfreulicherweise ist dem Brüsseler Duo eine gesunde Selbstironie eigen, beschreibt man den eigenen Sound doch als “Pop Music for Roland Dummies”. Dazu lässt es sich fein in Zeitlupe abtanzen. Und schön schwerelos vor sich hinträumen im epischen Blau!