Mit den Wölfen träumen: Few Bits

Eine belgische Band, die im Oktober als Support bei der Großbritannien-Tour der Lemonheads spielt? Haben wir jemals von dieser Band gehört? Nein? Dann wird es wohl Zeit, den wunderbar nachdenklichen Dreampop der Few Bits aus Antwerpen kennenzulernen. Der Bandname lässt nicht unbedingt aufhorchen, die Stimme von Sängerin Karolien Van Ransbeeck schon eher. fewSchwebend, ein wenig geheimnisvoll und angenehm zurückgenommen. Große Effekthaschereien hat diese Chanteuse nicht nötig. Lieber behält sie die Dinge fein in der Schwebe. Deutet an, statt direkt auszusprechen. Einfühlsam unterstützt von ihren Mitmusikern Tim Coenen,  Jules Lemmens, Peter Pask und Steven Holsbeeks. Wobei Coenen und Pask über reichlich Erfahung verfügen, weil sie bei den Lo-Fi-Electonica-Projekt The Go Find mitwirken. Ureigentlich zelebrieren die Few Bits Kammerpop in seiner reduzierten Form. Zu dem die Gedanken bestens abschweifen können. Dass diese Klänge ziemlich gitarrenorientiert sind und soulige Untertöne pflegen, bemerkt man erst beim dritten Hören. Aktuell werkeln Few Bits an ihrem zweiten Album. Höchste Zeit also,  die Highlights des Debütalbums aus dem Jahr 2013 kennenzulernen. Der Track “The Wolves” gehört unbedingt dazu!

(Foto: Jan Marchand)

Vögel beobachten mit Imaginary Family

Ein kleines Liedchen, das man vor sich hinsummen könnte, wenn der Weg nach Hause in der Dämmerung durch ein Waldstück führt. Ein harmloser Vorgang, eigentlich. Joanna Isselé, eine Sängerin aus den französischen Alpen, die es seit längerer Zeit in die wirklich coole flämische Universitätsstadt Gent verschlagen hat, benötigt nur ihre Gitarre und ihre scheinbar naive Mädchenstimme, um reduzierte Geschichten zu erzählen. Die sich erst auf den dritten Blick als hintergründig erweisen. Sie tritt unter dem Künstlernamen Imaginary Family an und könnte eine dieser derzeit wie Löwenzahn wuchernden Folkpop-Klampfenliesen sein, wenn sie nicht diese Geneigtheit für leise beunruhigende Töne hätte. Vielleicht mag es daran liegen, dass sie als Linkshänderin die Gitarre seitenverkehrt spielt! Aus dem unverfänglichen Vorgang der Vogelbeobachtung entstehen plötzlich Geschehnisse, die man so gar nicht mehr unter Kontrolle hat. Und plötzlich wankt der Boden unter den Füßen, und nichts bleibt mehr, wie es war! Vom Video zum Song bin ich auch deswegen begeistert, weil es Geduld lehrt – eine Tugend, die heutzutage auszusterben droht. Wer hier nicht mindestens bis Minute Drei durchhält, verpasst etwas!

Diese Gletscher brodeln! Gammarays

Eine Sängerin, die Clio Arys heißt, muss ein wenig geheimnisvoll sein. Auf eine unterkühlt sinnliche Art, natürlich. Mädchenhaft und doch sehr weiblich. Mit einer hellen, geschmeidigen Stimme. Clio Arys ist zwar erst Anfang 20, hat aber schon einige Erfahrung als Musikerin aufzuweisen. Spielte gemeinsam mit dem Gitarristen Jonathan Sandyck bei der Indiepop-Band Woolf, wo man eher die handgemachten Töne pflegt. Da die beiden neugierig sind und unbekannte Pfade erproben wollen, haben sie vor knapp einem halben Jahr Gammarays gegründet. Und was in dieser kurzen Zeit entstanden ist, kann sich hören lassen! GammaraysDie junge Band aus Gent setzt auf scheue Electronica, rückt die Eiskönigin-Stimme von Clio Arys in den Mittelpunkt und bettet diese Mischung in eine fein verlangsamte Deep-House-Stimmung ein. Und wenn noch wie beim Track “Jupiter” noch ein Touch Soul dazukommt, dann beginnen die Gletscher zu brodeln. Noch besser gefällt”Willowisp” mit seiner schwebenden Nachdenklichkeit. Dazu lässt sich auf gehobene Weise tagträumen. Der Track hält die Balance zwischen angedeuteter Melancholie und leiser Hoffnung. Und ist auf eine anmutige Weise hoffnungsfroh! Gammarays sind eine Band, die es unbedingt im Auge zu behalten gilt. Und danke für den wunderbaren Tipp, Brett Summers!

 

Ein Abgesang auf den Sommer mit den Fastlane Candies

Der Sommer ist mit Macht zurück. An die 40 Grad sollen es werden am Freitag. Aber ein wenig unbemerkt ist der Sommer bereits am Kippen. Man merkt es an den intensiv leuchtenden Farben, dass bereits eine winzige Vorahnung von Herbst in der Luft liegt. teleUnd es wird schon früher dunkel. Diese Stimmung zwischen munterer Lässigkeit und der leisesten Ahnung von Abschiednehmen haben die Fastlane Candies aus Liège in ihrem Song “Summertime´s Away” ganz wunderbar eingefangen. Der Track findet sich auf dem Debütalbum des Quintetts aus der wallonischen Metropole, das den schönen Namen “Telenovelas” trägt und und gekonnt in Stimmungsschwankungen schwelgt. Ureigentlich spielen sie unberechenbaren, ganz leicht angefolkten Indiepop irgendwo zwischen Violent Femmes und, hüstel, Franz Ferdinand (die nasale Stimme des Sängers bringt mich unweigerlich auf diesen Vergleich!) und dem heldenhaften Verlierertum von Belle And Sebastian. Die Fastlane Candies sind aber viel zu schlunzig, um noch irgendwann zu schottischen Dandies zu werden. Sie kommen lieber in gänzlich unmodischen Pullovern und viel zu weiten Jeans daher. Was sie nicht davon abhält,  auf Facebook “Couture, englische analytische Philosophie aus dem 18. Jahrhundert, das Gebet und die Kompatibilität” als ihre Hautptinteressensgebiete anzugegeben. Da wird Herr Zuckerberg aber ins Nachdenken kommen! Das Reinhören in das Album via Bandcamp wird ungeschränkt empfohlen, weil diese Jungs so schön lakonisch und putzmunter zugleich sind. Und einen schönen Sinn für die Absurditäten des Alltags haben!