Leicht verzweifelt bin ich sowieso: Cook Strummer

Eines muss man Max Donnet lassen: Sein Bühnenname Cook Strummer klingt sehr cool! Der blasse, blonde junge  Musiker war vier Jahre bei der Brüsseler Garagenpop-Band The Donnets aktiv, bevor er Anfang des Jahres nach Berlin gezogen ist. Wo er sein Soloprojekt Cook Strummer gestartet hat. Denn wo anders als in der deutschen Hauptstadt kann man einen reduzierten, lebensangst-affinen Depri-Pop so schön pflegen? Wo anders kann man die urbane Hoffnungslosigkeit in Waschsalons zur Kunstform erheben? cookCook Strummer nimmt hörbar Bezug auf die großen Schmerzensmänner der britischen New-Wave-Bewegung der frühen 80er, in der das Fallen, das Scheitern und die Ästhetik der leisen Verzweiflung die Fixpunkte sind. Joy Division, die frühen Smiths und die nachdenklicheren Clash. Der Musiker mit der Falsettstimme findet ein kleines Gegengift in Form tanzbarer Beats und triphoppiger Edel-Tranigkeit. Momentan arbeitet er an seinem Debütalbum, das sinnigerweise den Namen “The Fall” trägt. Und bewegt sich leichtfüßig durch Räume, in die kaum Tageslicht dringt. Mit einer Präzision, die all die Melancholie Lügen straft! Vom  sehr feinen Track “Fallen” gibt es eine reduzierte, halb akustische Version, die fast besser gefällt als die üppigere Studio-Variante. Max Donnet sieht so aus, als ob er ständig frieren würde. Aber in seinem Inneren, da brennt ein intensiv loderndes Feuerchen! Wer mehr hören möchte: Auf Bandcamp gibt es noch einige Songs zum Hereinhören!

Go March, ins Land der elektronischen Merkwürdigkeiten

Wenn eine Band sich von Film-Altmeister David Lynch beeinflussen lässt, dann ist man diesen Musikern zumindest schon mal wohlwollend gegenüber eingestellt. Bei dem eigenwilligen Blick, den Lynch auf die Welt hat, da ist doch Überraschendes zu erwarten! Das Gefühl trügt tatsächlich nicht: Go March aus Antwerpen geben sich gehoben geheimnisvoll. Auf den wenigen Promo-Fotos, go marchdie von den Dreien existieren, tragen sie weiße Plastik-Schutzkleidung und weiße Kugelköpfe und posieren vor dräuend dunkler Waldkulisse. Fans von übernatürlichen Phänomenen sind Go March unbedingt, wenn man ihrer Debütsingle “Rise” lauscht: Das Instrumentalstück ufert gekonnt aus und bewegt sich elegant in den Graulanden zwischen Filmmusik, Kraut- und Postrock. Mogwai meets Kraftwerk, wie die Band selbst schreibt? Ja, irgendwie schon. Aber auch eine gute Prise Konsolenmusik mit bliependen Beats, die sich über diese vergrübelten deutschen Gitarrenklänge legen! Zu sehr später Stunde könnte man zu diesen süchtig machenden Computer-Grooves auch tanzen und dezent das Haupthaar schütteln. Go March schreiben den Soundtrack für ein Roadmovie, das sachte gen Düsternis taumelt. Ein sanfter Horror lauert an den Rändern. Sehr stylish, sehr elaboriert!

Geheimnisvoll maunzen & leise schreien: Elsie DX

Elektronische Töne verirren sich ins verwunschenen Schattenland: Elsie Dx, das Ein-Frau-Projekt von Elise Dutrieux aus Liège, ersinnt Töne, die sachte verwirren. Denn in ihren leise verschrobenen und verhalten tanzbaren Songs vermischen sich ganz unterschiedliche Einflüsse und fließen unberechenbar ineinander wie die Ingredenzien von Marmorkuchen: Tribales Trommelwerk (Mademoiselle liebt orientalische Klänge!), eine kleine Dosis Ambient, naives Kinderträllern, ein wenig Weird Dancefloor, ein Tick Avantgarde und das Maunzen von Katzen. In Songs wie dem sehr feinen “Silent Shout” führt uns Elsie Dx elegant auf Abwege. Wer nun an Fever Ray denkt, der liegt nicht völlig falsch. Zumal sich auch die Belgierin gerne mit Federwerk und anderem heidnischen Krimskrams schmückt. Nur klingt sie wärmer, sinnlicher und verspielter. Melancholie ist ein zeitloses Sujet, das ansatzweise touchiert wird. Aber sehr viel lieber übt sich Madame hier in der Kunst des geheimnisvollen Übermuts!