Jetzt sind wir mal ganz still, bitte: Astronaute

Jetzt, wo der Winter mit Macht zurückgekehrt ist, können wir doch nochmal innehalten und ganz still werden. Mit Astronaute etwa, den Singer-Songwritern aus Hasselt. Die Vier um Sängerin Myrthe Luyten legen in diesen Tagen ihr zweites Album „Petrichor“ vor. astronauteDas bezeichnet übrigens den Geruch von Regen, de auf trockene Erde fällt! Luyten, die auch bei den Limburger Americana-Spezialisten Mad About Mountains aktiv ist,  verfügt über ein unbestreitbares Alleinstellungsmerkmal: Ihre sehr tiefe, warme Stimme. Geschlechtergrenzen verschimmen hier, was angesichts Unaufgeregtheit dieser sanften Klänge subtil aufregend wirkt. Gitarre und Stimme stehen bei diesen sanft melancholischen, prärienahen Songs zwar im Mittelpunkt, aber Astronaute sind nicht nur die simplen Klampfer, sondern spannen etwa im Titelstück sanfte Electronic für ihre Zwecke ein. Neun Songs. Neun Momentaufnahmen, neun kleine, alltagsphilosophische Geschichte, im Lo-Fi-Modus. erzählt. Die Soundlandschaften mögen zwar karg sein, aber im Hintergrund flackert  ein warmes Feuerchen. Bei aller Introvertiertheit erlaubt sich die Chanteuse doch auch Momente des Glücks. „I feel fine“, heißt es im Titelstück. Dem Album kann man zur Gänze via Bandcamp lauschen. Den eigenen Lieblingssong selbst aussuchen! Zum Track „Hours“ gibt ein stimmiges Video. Leider nur auf Youtube & der obgligarischen Ländersperre. Wie die zu umgehen ist, haben wir doch inzwischen alle gelent!

 

Die Mundharmonikahelden: The Rhythm Junks

Mundarmonika, Bass, Schlagzeug und Gesang. Das soll cool klingen? Mal im Ernst: Das klingt knochentrocken cool, was das Trio The Rhytm Junks aus Gent hier mit simplen Mitteln produziert. Die Herren Steven de Bruyn, Jasper Hautekiet und Tony Gynselinck sind bereits seit zehn Jahren im Geschäft und haben sich als souveräne Grenzgänger zwischen den Genres etabliert. Blues, Jazz, Rock oder verschwurbelter Folk – sie wirbeln wir alles präzise durcheinander und machen etwas ganz Eigenes daraus! Die Rhythm Junks bezeichnen sich selbst gerne als Pickles, also diese komischen Gemüsespieße, die nur aufgrund ihrer Zusammenstellung so interessant schmecken. Die Kombination macht´s!

Mit “It Takes A While” legen die Drei bereits ihr viertes Album vor und grooven mit überschäumender Spielfreude zwischen Radaudisco und cooler Lounge. Dass De Bruyn englisch mit einem dicken flämischen Akzent singt, wollen wir ihm gerne gerne verzeihen! In Songs wie dem famosen “Why Would I Worry” wird die Mundharmonika plötzlich zur Leadgitarre: Gleichzeitig machen sich die Drei hier über eitle Rocker lustig. The Rhythm Junks führen zudem den Jugendkult in der Populärmusik ad absurdum: Denn trotz der beträchtlichen Altersunterschiede in der Band klingen die Musiker frischer und lebendiger als so manche Teenie-Kapelle! Die Belgier sind tiefenentspannt. Souverän. Und dazu noch erstaunlich tanzbar! Denn wer die Mundharmonika nur als Requisit einzelgängerischer Westernhelden abgespeichert hat, weiß spätestens nach dem feinen “Headphone City”, dass das Instrument durchaus clubtauglich ist!

Bathernay: Der Winter kommt zurück

Die Band nach dem verträumten Dörfchen benennen, in dem man als junger Mensch am Rande der Pubertät wie aus der Zeit gefallene Urlaube erlebte: Auf diese Idee muss man auch erst mal kommen! Bathernay heißt der verschlafene Ort im Südwesten Frankreichs, wo Nicolas, der musikalische Kopf der belgischen Band, schwerelose Sommer verbrachte. Bathernay, also die Band, gibt es seit dem Jahr 2012. MoldyDas Quartett schwelgt auf seinem jüngsten, im Herbst 2015 erschienen Album „Moldy“ in elegischen, ausufernden Tönen. Die sich mit hoher emotionaler Wucht und großer Sanftheit irgendwo in den Weiten zwischen Postrock, Dreampop und Shoegaze bewegen. Der erwachsene Schwärmer träumt nun in Schwarz-Weiß und hat die schöne Melancholie zur Kunstform erhoben. Die emotionale Landschaft ist nicht mehr grün und gleißend, sondern karg und verschneit. Aber das ist nur der Hintergrund, vor dem große Gefühlsgemälde gemalt werden, auch wenn sie winterlich ausfallen! Mit Songs wie dem monumentalen Zehnminüter „Love“ muss man sich Zeit lassen, bis sich die Vier, versteckt hinter Gitarrenwällen, endlich den ultimativen Gefühlsausbruch gestatten. Uff! Natürlich ist es hier Winter, aber trotzdem zünden Batherney  ein warm flackerndes Feuer an. An dem wir lange sitzen und unseren Gedanken nachhängen können. Wie damals im Sommer, als wir noch 14 waren. Über Bandcamp kann man „Moldy“ zur Gänze lauschen. Und zu „Winter Will Be Back“ gibt es ein sehr stimmiges Video!