Bloß nicht so schnell vernünftig werden! Billie Rodney

So jung und schon so vertraut mit der düsteren Seite der Dinge? Billie Rodney ist eines dieser dünnen, intensiven Mädchen, die von innen heraus zu brennen scheinen. Längerfristig nicht unbedingt gesundheitsförderlich, das! Aber wer will denn zu schnell vernünftig werden? Billie Rodney will sich nicht  anpassen. Will nicht mit den anderen braven Fischen im Schwarm ihre Runden ziehen. Will lebendig bleiben, auch wenn es wehtut. „I don´t like what I became. When I look at myself I feel so ashamed“, wütet sie im feinen“Crowded Sea“.

Billie Rodney heißt eigentlich gar nicht so. Es ist der Nom de Guerre von Bie Van Landeghem aus der Hafenstadt Antwerpen. Die Chanteuse hat bereits als Finalistin des Nachwuchs-Wettbewerbs Humo´s Rock Rally auf sich aufmerksam gemacht. Wo sie als „beste Stimme“ unter den Kandidaten galt. Wer sich die bislang vorliegendenden Demo-Songs anhört, der weiß warum: Verletzlich, sensibel, kraftvoll, wütend, zärtlich und hoffnungslos kann diese Stimme klingen. Und das im Minutentakt! Das exzellent instrumentierte „Edie“ mit seinen gefühlvollen Streichern bittet Miss Rodney eine exzellente Plattform, um abzuheben. Mitunter haben diese Schmerzerfahrungen fast schon eine jazzige Qualität! Aber die Rodney kann auch anders, ganz zart. Die Piano-Ballade „Katie“ über eine krachend gescheiterte Mädchenfreundschaft fängt so zurückgenommen an, nur um sich zur wuterfüllten Anklage hochzuschrauben. Uff, diese junge Frau macht einem emotional völlig fertig!

 

Der Dandy-Düstermann: Warhaus

Man könnte ja fast meinen, dass sich so mancher Musiker unterbeschäftigt fühlt. Angesichts dieser Fülle von Nebenprojekten! warhausZu den Künstlern, die solo eine neue Facette ihres kreativen Schaffens zeigen, gehört neuerdings auch  Maarten Devoldere, Sänger der Indierockhelden Balthazar aus Gent. Als Warhaus entpuppt sich der Meister als Düster-Dandy von hohen Gnaden. Einen ersten Vorgeschmack auf das im Herbst erscheinende Debütalbum „We Fucked A Flame Into Being“ bietet die die feine Single „The Good Lie“: In stylishem Schwarz-Weiß gefilmt (Regisseur: Wouter Bouvijn), verbeugt sich das dazugehörende Video respektvoll vor den klassischen Hollywood-Krimis der Schwarzen Serie. Der geheimnisvolle Fremde, die undurchsichtige blonde Schönheit und abgehalfterte Kommissare, die ein rätselhaftes Verbrechen aufklären sollen: Devoldere spielt hier gekonnt mit Genre-Versatzstücken und entpuppt sich nebenbei als talentierter Hobby-Zauberer. Musikalisch positioniert er sich in der Tradition eines angepoppten Leonard Cohen, eines barballdigen Tom Waits und eines Poète Maudit in der bester Serge-Gainsbourgh-Manier. Diese Verführung im Zwielicht einer abgeranzten Bar entwickelt ihr ganz eigene Form unterkühlt-abgündiger Erotik! Dass hier zwei Nachtschwärmer gehörig mit dem Feuer spielen: So entsteht eine dekadente Dynamik! Duettpartnerin  im Video ist Devolderes Lebensgefährtin Sylvie Kreusch, Sängerin der Elektropopsters Soldier´s HeartDer Albumtitel ist übrigens vom klassischen D.H.Lawrence-Roman „Lady Chatterley´s Lover“ inspiriert. Sexualität als letztes unentdecktes Abenteuer: Das waren noch Zeiten!

Foto: Titus Simoens