Ins Abendrot mit Zimmerman

Die belgischen Indierocksters Balthazar leben sich aus!  Nachdem sie das Projekt Balthazar nach erfolgreichen Jahren zeitweise in den Winterschlaf versetzt haben, ist viel Raum für kreative Eogotrips der einzelnen Bandmitglieder entstanden. Nach Sänger Maarten Devoldere alias Warhaus legt auch Bassist Simon Casier unter dem nom de plume Zimmerman Solo-Material vor. „The Afterglow“ zimmerman(das Abendrot) heißt das erste Album von Meister Zimmerman, das Ende November erscheinen wird. Casier stellt den Bass in die Ecke und erprobt sich als Sänger und Gitarrist. Gibt den feinfühligen  einsamen Wolf. Hält das unsentimentale Träumen hoch. Ist erwachsen, aber nicht desillusioniert. Vorsicht:  Liebe kann emotionale Schäden verursachen! Auf diese Idee könnte man glatt kommen, wenn man dem coolen und keinesfalls  fatalistischen Track „Hard To Pretend“ lauscht. Wo sich Casier alle Zeit der Welt nimmt, um sich  mit Synthieklängen gegen allen Herzschmerz dieser Welt zur Wehr zu setzen. Das sind grenzwertmelancholische Töne, zu denen die Seele auf luftigste Weise zu schmerzen beginnt. Und genau der richtige Soundtrack für schwüle Sommerabende, wenn die Stadt ferienleer ist und die Gedanken wunderbar von hier nach dort schweifen. Hach!

Nachtschwärmen mit Ulysse

Im nächtlichen Großstadt-Dschungel kann man schon mal verloren gehen! Gerade in heißen Hochsommer-Nächten, wenn die Hitze des Tages nachglüht und wir uns schwerelos durch die ferienleere Straßen treiben lassen. Den perfekten Soundtrack dazu liefen die Drei von Ulysse mit ihren percussionlastigen Beats. Die Drei aus Brüssel bewegen sich geschmeidig wie Siamkatzen durch den eleganten, schwärmerischen Elektropop und tragen eine kleine Prise Melancholie als Parfüm-Note auf dem Handgelenk. In Belgien haben Ulysse bereits zwei EPs vorgelegt. Die neueste namens „Cashmere Guns“ ist erst kürzlich herausgekommen und überzeugt mit einer Attitüde schlendernder Verlangsamung . Via Soundcloud kann man zur Gänze hineinhören! ulisseDiese Töne klingen angenehm dekadent, wunderbar künstlich und trotzdem warm und sinnlich. Synthies säuseln, Beats betören und der angedeutete Herzschmerz dieser Sachverständigen in Sachen guten Geschmacks ist eine Erfahrung, die man in Maßen sogar genießen kann. Besonders empfehlen kann ich den Titeltrack mit seinen tropischen und orientalischen Ingredienzen und vor allem dieser flirrenden Flöte! Bestens geeignet, wenn man in der fortschreitenden Dämmerung mit einem Cocktail auf der Bar-Terrasse sitzt und die Gedanken angenehm angetütert schweifen lässt!

(Foto: Guillaume Kayacan)

Liebe tötet: Candle.Bags

Die dunkle Dame, das ist sie unbedingt. Inge Henrotay, Sängerin der Avantgardisten Candle.Bags, hat eine glamourös gepeinigte Stimme und irrlichtert gekonnt zwischen experimenteller Weltschmerz-Lady und laszivem Nachtschattengewächs. Leicht zu goutierende Töne sind es nicht, die Inge und ihr Cousin Dirk Henrotay hier präsentieren. (Übrigens Cousins in der Musikgeschichte: Wo gibt es das noch?) Wenn der Titel der Debüt-EP „Love Kills“ heißt, dann ist kaum zu erwarten, dass es hier um harmlose, sanfte Liebelei geht. Das Duo aus dem südbelgischen Hasselt verbirgt sich gerne hinter dichten Bäumen und will sich auf dem Erstling partout nicht stilistisch festlegen. Garage, Grunge, Postpunk, Soul, Wave und Düsterpop sind hier Geschwister. Und dass Inge Henrotay nicht nur singt, sondern auch als Flötistin überzeugt, ist nur eine der Überraschungen, die hier geboten werden. Heftige Ausbrüche und fast schon kontemplatives Innehalten sind auf diesem Debüt keineswegs Widersprüche! Grenzwert-hysterisch auf Tracks wie „Albert“, rockige Femme-Fatale auf „Old Stone“ oder Shirley Mansons verloren gegangene belgische Schwester in „Secret Garden“: Inge Henrotay verkörpert das alles und noch viel mehr! Über die empfehlenswerte Website vi.be kann man ausführlich in diese mitunter verstörenden Sounds hineinhören. Ach, und die unbestreitbare Seelenverwandtschaft mit Nick Cave habe ich bislang noch unterschlagen! Im gekonnt verschleppten, nur beim ersten Hören sanften Track „B-ordeaux“ kann man übrigens auf subtile Weise das Gruseln lernen!