Wie das kniespelt und knuspelt mit Lingerwalt

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Auf ins Land der elektronischen Koboldgeräusche mit Lingerwalt

Über die Fragmentierung nachsinnen. Die eigene und die gesellschaftliche. Das tut der Elektroniktüftler Lingerwalt auf seiner Debüt-EP „Comminuted“. Hört sich kompliziert an. Ist es aber nicht, wenn man ein offenes Ohr für Zwischentöne hat. Ein bisschen frickelig, manchmal tastend und mitunter meditativ, aber immer helllwach klingen diese elektronischen Sounds. Wem beim Wort „Tiefgang“ nicht in Angstschweiß ausbricht, der ist hier genau richtig! Wout Vandenbergh heißt der Mann aus der alten Universitätsstatdt Löwen, der hier sein Debüt vorlegt. Es kniespelt und knuspert hier im wilden Wald der künstlich erzeugten Störgeräusche. Der Albumtitel „Comminuted“ bezieht sich übrigens auf einen komplizierten Bruch, der niemals richtig ausheilt. Das sind subtil verstörende Töne, mit denen Lingerwalt hier spielt. Mitunter mag man zu den nervöseren Tracks fast tanzen, aber am besten gefallen doch die langsamen, souverän schlendernden Songs. Dass der junge Musiker dem Isländer Ólafur Arnalds und dessen frühen Alben ausführlich gelauscht hat, darf man ruhig vermuten. Am besten gefällt hier das irrlichternde, angenehm verlangsamte Stück Absence (Coherende Pt. I), das mit seinem tastenden Piano aufmerksam in Richtung Neoklassik schnuppert und sich behutsam auf Ambient-Terrain wagt. Fragen stellen, ausgetretene Pfade verlassen und sich auf schwankenden Boden wagen: In diesem Sinn ist Lingerwalt ein schüchterner Held!

 

Morbides zur Karwoche mit Krankland

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Zelebriert die Ästhetik verdorbener Früchte: Thomas Werbrouck.

Wenn ein Bandprojekt sich Krankland nennt, dann ist kaum davon auszugehen, dass es sich hier um freundlich lächelnde Frohnaturen handelt. Bei einem solchen Namen ist die Welt irgendwie aus den Angeln! Krankland ist das Projekt von Thomas Werbrouck, der bislang als Mitglied der eigenwilligen Genter Noiserocker Little Trouble Kids aufgefallen ist. Wie die Fama es will, hat Wouters beim Griff in die Pralinenschachtel des Lebens zuletzt nur die Bitterschokolade erwischt. Job verloren, allgemeine Tristesse etc: Da liegt es doch nahe, dass man in der Gemeinschaft von Schmerzensmännern wie Nick Cave , Tom Waits und Elliott Smith Trost sucht. Zumal den Musiker die Schlaflosigkeit plagte. Kann schon sein, dass in den dunkelsten Stunden kurz vor Sonnenaufgang die morbiden Gedanken kommen.  Der Track „Rat Race of the Slugs” vom Album „Wanderrooms“ ist eine echte Schauerballade in bester Tom-Waits-Tradition! Eine Studie in schwarzer Romantik, in der die Spieluhren verstimmt sind und die Dämmerung nicht weichen will. Das Ganze muss einfach in einem victorianischen Gewächshaus spielen! Im Video zu „Rat Race Of The Slugs“ tut sich Sinistres mit einer sehr unangezogenen Dame und verdorbenen Früchten. Man könnte sich fast in ein Gemälde von Werbroucks Landsmann James Ensor versetzt fühlen! Via Bandcamp kann man ausführlich in das krause und wunderliche musikalische Universum von Herrn Krankland hereinhören und muss sich, so viel sei verraten, nicht übermäßig gruseln. An den Drums sitzt hier übrigens Ex-Balthazar-Drummer Christopher Claeys.