Die Farbe Mitternachtsblau mit Eszra

Lichte Dämmerwelten mit Eszra

Lichte Dämmerwelten mit Eszra

Schön nachdenklich und wunderbar verträumt: Eszra aus Gent malen sich die Welt in mitternachtsblauen Farben. Das Trio um die langbezopfte Sängerin und Pianistin Joke Derre wandelt auf den Spuren von Fiona Apple, Joni Mitchell und Tori Amos. Mit einem kleinen Fokus auf Neoklassik. Einen gewissen Hang zur Melodramatik kann man der jungen Band nicht absprechen, wenn sie mit angenehm reduzierten Songs wie dem streicherumschwärmten „Erase your Spell“ in Richtung eines blassen Sternenhimmels entschwindet. Die kleine Ballade zur Kunstform erheben und auf luftige Weise folkige Töne einschmuggeln: Keine einfache Aufgabe, das! Am meisten bei sich scheint die Newcomerin dann, wenn sie selbstvergessen am Klavier sitzt und über die flüchtigen Dinge des Lebens nachdenkt. Und die Akkorde fein vor sich hintupft. Die junge Band steht noch völlig am Anfang: Ein großes Oeuvre hat sie noch nicht vorzuweisen. In Belgien haben sie es aber immerhin kürzlich in das Finale eines renommierten Nachwuchswettbewerbs geschafft, zu dessen früheren Gewinnern heutige Szenegrößen wie Balthazar gehören.  Ausführlich hereinhören in die Eszra-Welt kann man über die feine Informationswebsite vi.be, die ohnehin immer für feine Entdeckungen gut ist. Eszra stehen noch so am Anfang, dass die üblichen verdächtigen Kanäle noch leer sind. Aber ein kleines Live-Video gibt einen guten Eindruck!

Schwelgen und schwärmen mit Felix Pallas

Nachtschwärmer: Felix Pallas

Nachtblau: Felix Pallas

Was ein Luxus! In überkandidelten Klangwelten zu schwelgen und dabei keine Angst vor großen Gefühlen haben! Felix Pallas zelebrieren das gehobene Melodrama und sehnen sich nach den großen Tagen zurück, als man die Discokugel noch mit leuchtenden Augen anhimmelte. Keine Frage: der neue Track „Similarities“ ist angenehm dekadent. Hier sollen die Synthies die Weltherrschaft ergreifen! Erfreulicherweise tragen die Vier um Falsett-Sänger Simon Nuytten und seinen Bruder Jan-Pieter an keiner Stelle zu dick auf, sondern schaffen eine Atmosphäre entspannter Eleganz. Die Schönheit lieben und sich dabei nicht übertrieben echauffieren: Das kriegen Felix Pallas mit leichter Hand hin. Und haben gleichwohl den Groove! Sehr großstädtisch und newyorkerisch klingen diese Sounds. Und man bekommt sofort Lust, den wunderbaren Film The Last Days Of The Disco endlich mal wieder zu sehen! Felix Pallas sind, ganz klar, auf der Suche nach dem perfekten Synthiepopsong. Im Herbst wird ihre Debüt-EP beim belgischen Label Disco Naivete herauskommen. Man hört diese luxusverliebten Klänge und eine musikalische Erinnerung pingt im Köpflein auf. Ach ja, Schweden! Ach, Eskobar! Statt Städtepartnerschaften sollte es auch Musikerpartnerschaften geben: Eskobar und Felix Pallas: Passt! Und jetzt genießen wir „Similarities“. Und danach hören wir uns endlich mal wieder den wundervollen Track „Someone New“ an!

Elegant minimalistische Töne mit WWWater

Humbling power, sacred shower mit WWWater

Humbling power, sacred shower mit WWWater

Alles fließt! Charlotte Adigéry liebt die geschmeidige, sanfte und kraftvolle Bewegung des Wassers. „Humbling power, sacred shower“, so beschreibt die Musikerin aus Gent ihr Soloprojekt WWWater. Bislang ist die Frau mit der kristallwasserklaren Stimme in Belgien vor allem als Background-Sängerin ihrer Landsleute Soulwax aufgefallen. Jetzt geht sie eigene Wege mit WWWater: Bewusst reduziert, elegant minimalistisch, angenehm zurückgenommen. Im Herbst soll eine erste EP erscheinen. Charlotte hat die Tracks zum großen Teil im Do-It-Yourself-Verfahren eingespielt. Klingt aber sehr geschmeidig und so gar nicht holperig lo-fi-mäßig, was die Frau aus der flämischen Metropole hier vorlegt! Einer der ersten EP-Vorboten ist der feine Song „Pink Letters“, in dem es zwar um eine Trennung geht, der aber keineswegs in Traurigkeit ertrinkt: Denn Charlotte Adigéry bewältigt den Schmerz auf ihre Weise, in dem sie mit dem dicken pinken Marker in ihr Tagebuch schreibt und somit einen deutlichen Kontrapunkt zu den tiefschwarzen Passagen setzt. Viel braucht die Musikerin nicht, um maximalen Effekt zu erzielen: Ihre Stimme und einen percussionlastigen Beat, der eine subtile Spannung aufbaut, aber nie aufdringlich wirkt. Dieser Beat würde sich auch als Filmmusik in einem gehobenen Gangsterfilm gut machen! Elektropop, bisschen R´n´B und intelligente 6oies-Anklänge fließen hier harmonisch zusammen. Charlotte Adigéry hat zwar noch keinen Plattenvertrag, aber tritt in diesem Sommer bereits bei den belgischen Sommerfestivals. Und macht neugierig auf mehr!

Foto: Dinaya Waeyaert