Wir können kein Wässerchen trüben: The Sunday Charmers

Mit ihren hübschen Blümchenhemden müssen The Sunday Charmers unbedingt Schwiegermitterlieblinge sein! Und dann schwelgen sie auch noch so schön in klassischen 60ies-Popharmonien und singen von goldenden Sommern! Hach, diese Erinnerungen an laue, lichte Sommernächte können wir in den dunkelsten Tagen des Jahres bestens gebrauchen! Die Brüder Etienne und Florian Donnet und ihr musikalischer Mitstreiter Morgan Le Grelle tragen die Haare nicht nur schick gekämmt,  sondern pflegen altmodische Tugenden wie den treuherzigen Hundeblick in der Popmusik. Das Kompliment ist ernst gemeint! Denn die nur scheinbar süßen Sounds, mit denen die Blondine Sue im dazugehörigen Song angeschwärmt wird, haben es beim dritten Hören in sich. Von wegen wir können kein Wässerchen trüben!  Das Trio hat aus den 60ies auch den psychedelischen Drang zum Ausufern und überraschenden Gefühlsausbrüchen mitgebracht. Man muss ein bisschen Geduld mitbringen, dann werden aus diesen sanften Träumern plötzlich Lederjackenkerle mit krachenden, übersteuernden Rockgitarren. Auf dem ruhigeren Track „This Way“ sehnsüchtigen sie aber gekonnt vor sich hin und zelebrieren den gepfegten Herzschmerz. Nach der EP „This Golden Summer“ arbeiten die stylishen Drei aus der Region Brüssel gerade an ihrem ersten Longplayer. Na denn, Jungs, let the sun shine in!

Foto: Thomas Prudhomme

 

Ich bin älter, als du denkst: Josefien Deloof

Junge Frau in Schwarz: Josefien Deloof

Eine junge Frau mit Gitarre. Josefien Deloof aus Brügge. Das könnte langweilig sein, wenn die gerade mal 19jährige bloß schüchtern vor sich hinklampfen- und piepsen würde. Das tut sie aber nicht! Denn Josefien Deloof hat eine Stimme zum Aufhorchen. Spröde, heiser, leicht kieksend und sehr anders! Wer ganz weit zurückdenkt, fühlt sich an bisweilen die unvergessene Melanie erinnert! Eine Stimme, die sehr erwachsen klingt und reichlich lebenserfahren. Ich bin älter, alis du denkst, singt sie im feinen Track „Please“. Mitunter geht es hier ins Soulige hinein, und Darkpoppige sowieso. Aufmerksam geworden auf die Sängerin bin ich über die immer geschmackssicheren Indies Keeping Secrets Brussels, die Josefien Deloof jüngst zu einem ihrer Geheimkonzerte geladen haben. In der belgischen Musikszene hat die Nachwuchsmusikerin zumindest schon aufgefallen: Beim Newcomer-Wettbewerb „Westtalent“ hat sie in diesem Jahr den zweiten Preis geholt und beim noch renommierteren Wettstreit De Nieuwe Lichting mischt sie auch noch mit. Ein großes Werk hat Josefien Deloof naturgemäß noch nicht vorzuweisen. Auf den Seiten der Talentsucher von vi.be kann man aber ausführlich in ihre dunklen, desillusionierten Klänge hineinhören. Das Live-Video zu „Please“ gefällt ausnehmend gut!