Pianopoesie mit Condore

Ein verhuschtes Piano geistert zart durch dunkelblau-dämmerige Räume. Erklingt hier ein leicht schiefer Walzer? Und sind hier etwas Spielzeuginstrumente zu hören? Darüber liegt eine feenhaft schwebende Stimme. Sie gehört Leticia Collet, die ihre Soloprojekt Condore genannt hat. Die junge Musikerin aus Liège ist im belgischen Indiepop keine Unbekannte, denn sie ist seit Jahren die Tastenfrau bei Dan San, die dem bröckelnden Charme ihrer Heimatstadt eine melancholische Schönheit verleihen. Große industrielle Vergangenheit, graue Gegenwart, und trotzdem leuchtet Liège auf seine ganz eigene Weise! Vielleicht hat sich Leticia Collet genau von diesen leicht morbiden Welten inspirieren lassen.

Gute oder böse Fee? Oder einach nur eine feinsinnige Träumerin, deren Sounds durchaus filmmusik-affin klingen? Vielleicht sollte Condore eine freundliche Mail an Tim Burton mit der Bitte um Kontaktaufnahme schicken? Alternativ könnte sich auch nach Island reisen, wo sie mit Sóley oder Gyda Valtysdottir auf gleichgesinnte Künstlerinnen treffen würde. Auch die Dänin Agnes Obel ist als mögliche Inspiration nicht ganz fern.

Condore steht noch ganz am Anfang, umfangreich ist ihr Werk naturgemäß noch nicht. Das geheimnisvolle, luftige „Lootus“ ist jedenfalls ein feines Stück Pianopop, das bestens zu Nächten mit vollem Mond und klaren Himmeln passt. Vielleicht geistern danach wunderliche Personen und phantastische Landschaften durch die eigenen Träume. Vielleicht.

(Foto: Gilles DewalqueZineb Benchemsi Oniri)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.