Die Stille sehen. Das geht mit MEK!

Eiigenwilliger Träumer: MEK

Eiigenwilliger Träumer: MEK

In der stillen, sommermüden Stadt zur Ruhe kommen mit verträumtem, sanft entschleunigten Chansonpop. Das geht bestens mit MEK und seinen unangestrengten, nachdenklichen Songs zwischen Tag und Traum. Koen Meirlaen, der Musiker hinter diesem Ein-Mann-Projekt aus Gent, macht um sich nicht viele Worte, sondern gibt sich lieber geheimnisvoll. Informationen zur Vita sind nur spärlich vorhanden, was in Zeiten des allgegenwärtigen Informationsüberflusses schon wieder einen gewissen Charme hat. Nur so viel: Der junge Musiker war zuvor bei den inzwischenen verblichenen Indiepopstera Nova Zembla aktiv und verfolgt nun seinen eigenen Weg mit leicht eigenwilligen, zart elektronischen Sounds, die lieber flüstern statt schreien. Und nur ein kurzer Einwurf zu Gent: Man hat fast den Eindruck, dass mindestens jeder zweite der zahlreichen Studenten an der Universität Gent in einer oder mehreren Bands spielt. Das sind fast isländische Verhältnisse! Auch die Vorliebe für leicht experimentelle, knisternde, filmmusik-affine Klänge, wie MEK sie im feinen Video zu „Utoreen“ pflegt, in dem er uns auf eine Fahrt durch die nächtlichen Staßen Gents mitnimmt. Unbedingt zu empfehlen! Der Mann kann aber auch Piaonopop, wie er mit seiner neuen Single „Breathe“ beweist, wo Newcomerin Wanthanee als Gastsängerin überzeugt. Alles feine Songs, aber im noch schmalen Oeuvre von MEK gefällt das lakonische und empfindsame „See The Silence“ fast am besten. Keine großen Töne um sich selbst machen in Zeiten, in denen Prahlerei und Protzerei regieren: Zurückhaltung ist das neue Laut!

 

Die Farbe von Schnee: Pieter Vermeyen

Im regnerischen Flandern mit seinen grauen Himmeln, denen Jacques Brel mit seinem Klassiker „Le Plat Pays“ ein Denkmal gesetzt hat, über den Schnee nachdenken. Genauer gesagt: Über die verschiedenen Formen und Farben von Schnee. Das tut der junge Antwerpener Sound-Tüftler Pieter Vermeyen auf seiner EP „Inuit“. Die Inuit, also die Bewohner von Grönland, besitzen mehr als 20 verschiedene Ausdrücke für Schnee. inuitVermeyen hat sich vier davon ausgesucht. Bewegt sich mit diesen ausufernden, fein nachdenklichen Tracks zwischen Neo-Klassik, Filmmusik, Ambient und Postrock. Um nur einige Einflüsse zu nennen. Es knuspert und knispelt hier, und ein romantisches Piano wagt mit vielen elektronischen Helferlein den Sprung ins 21. Jahrhundert. Klar, dass Vorbilder wie Ólafur Arnalds, Nils Frahm und Ludovico Einaudi hier nicht fern sind. Die Dinge entschleunigen sich in diesen vier verträumten, meist instrumental eingespielten Tracks auf wunderbar entspannte Weise. Diese sorgsam dahingetupften Töne sind traumtänzerisch und meditativ zugleich. Bringen Ruhe in eine hochnervöse Welt. Im Interview mit Middle Tennessee Music gibt der junge Musiker ausführlich Auskunft über den Entstehungsprozess des Albums. „The genre of Inuit  is like my biography: a summary of all my past and current musical fascinations“, sagt Pieter Vermeyen darin. Schön! Ich schreibe übrigens auch deshalb über Vermeyen,  weil er mich so höflich, freundlich und bescheiden kontaktierte. Jawohl, Bescheidenheit, eine heutzutage fast vergessene Tugend. In einer angeberischen, marktschreierischen, grellbunten Welt ist sie eine kleine Kostbarkeit. Besonders gefallen tut auf „Inuit“ übrigens der Track „Skriniya“: Das ist übrigens der Schnee, der den Boden niemals erreicht.

Löwen meets Reykjavík: Illuminine

Es hat ziemlich lange gedauert, bis sich Kevin Imbrechts getraut hat, eine Mail an Birgir Jón Birgisson zu schreiben. Birgisson ist nämlich der Toningenieur der isländischen Postrocker Sigur Rós und somit für den jungen Stubenhocker aus der Universitätsstadt Löwen ein absolutes Idol. Kevin Imbrechts, der unter dem Künstlernamen Illuminine antritt und sich in den lichten Weiten zwischen Post-Klassik, Ambient, Instrumentalmusik und Movie-Soundtrack bewegt, hätte sich viel schon viel eher einen Ruck geben sollen: Denn binnen Stundenfrist antwortete der Birgisson und wollte gerne mit dem völlig unbekannten Musiker aus dem fernen Belgien zusammenarbeiten! Der junge Mann reiste also für zwei Wochen nach Reykjavík, wo Birgisson den Songs des Illuminine-Debütalbums „#1“ im legendären Sundlaugin-Studio von Sigur Rós den letzten Schliff verlieh. So kann es gehen, wenn man sich endlich ein Herz fasst!

Dass Imbrechts alias Illuminine (benannt übrigens nach einem Thurston-Moore-Song!) ein nachtaktiver Künstler ist, mag man nach ausführlichem Hören dieser warmen, schwebenden und ätherischen Songs gerne glauben. Solche ruhigen, entrückten Töne zwischen Gitarre, Piano und sanften Electronica ersinnt man nicht inmitten des lärmigen Alltags! Die Tracks des Debütalbums überzeugen durch Verträumtheit, Präzision und meditative Romantik. 14 minimalistische Songs. Alles kleine Preziosen, die durch komplexe Stimmungswelten flanieren. Dabei auf jeden überflüssigen Ton verzichten und trotz der Jugend des Komponisten (Imbrechts ist Mitte 20) eine große Gelassenheit ausstrahlen. In Belgien spielt Illuminine aktuell als Support von Amatorski. Passt!

Der Song „Dualisms“ ist angenehm vertrackt und dennoch federleicht!