Vorsicht, Dandy-Alarm: Oscar And The Wolf beim Reeperbahn Festival 2017

Es war einmal,  vor langer, langer Zeit, da traten Oscar And The Wolf noch mitten im Darmstädter Stadtwald beim Golden Leaves Festival 2013 auf. Damals, ja damals spielte Max Colombie noch Indiepop, und zwar ziemlich flotten. oscarDer Mann aus dem Brüsseler Stadtteil Jette, der zwischenzeitlich in Gent Malerei studierte, hat sich seitdem mächtig künstlerisch gehäutet und neue musikalische Weggefährten mit an Bord geholt. Max Colombie inszeniert sich als feinnerviger Dandy und beherrscht das Spiel mit der eleganten Selbstinszenierung perfekt. Ein wenig orientalischer Chic, ein wenig Oscar-Wilde-Überheblichkeit in Sachen exklusiver Geschmack und der Schmelz des dekanten Flaneurs zwischen den Welten sowieso. Max Colombie flirtet gekonnt mit Dance-Tunes und Elektropop, ist ein Fan barock üpppiger Gefühle, aber beherrscht die innige Herz-Schmerz-Ballade ebenso. Ein Hauch Geheimnis umgibt diese männliche Diva. Oscar And The Wolf kultiviert eine leise Melancholie. Und trotzdem ist hier erkennbar Feuer unterm Eis, wenn sich der Musiker mit den glutvollen dunklen Augen  in immer neuen Verkleidung präsentiert. Tanzen kann dieser Schlacks von Mann, keine Frage! Und gekonnt mit Geschlechteridentitäten spielen sowieso!

Ich muss gestehen: Zeitweise gingen mir diese perfekten Inszenierungen bereits ein wenig gegen den Strich. Puuuh, diese stylishe Selbstverliebtheit! Dieser coole Narzissmus! Aber dann spielen Oscar And The Wolf am Samstagabend vor absolut vollem Haus in den Docks beim Reeperbahn Festival und überwältigt mit warmem Charme. Max Colombie strahlt wie tausend Sonnen. Und ist nicht der unnahbare Schönling, sondern überaus sympathisch mit einem unwiderstehlichen Lächeln, trotz aller großen Gesten. Sehen wir hier den letzten romantische Gentleman, auch wenn er sich unter Ghetto-Gear versteckt? Unter all dem Bombast und Glitter schimmert immer noch ein Hauch von Unschult durch. Tanzen muss man zu diesen Klängen sowieso! Und sich hinunter in die samtige Dunkelheit ziehen lassen. Wer nicht dabeisein konnte in Hamburg – das Konzert ist aufgezeichnet worden!

 

 

Träumen Replikanten von Urlaubspostkarten? Hong Kong Dong

Geheimnisvolle Kreaturen: Hong Kong Dong aus Gent

Geheimnisvolle Kreaturen: Hong Kong Dong aus Gent

Wenn ich Siri frage, wovon sie träumt, dann antwortet sie. „Von elektrischen Schafen. Aber nur manchmal“. Wovon Hong Kong Dong aus Gent träumen? Vielleicht von üppigen Cremetorten im Pastell-Look oder quietschbunten Urlaubspostkarten? Die Drei aus der flämischen Metropole sind sympathische Querköpfe, die sich selbst erfreulicherweise nicht allzu zu enst nehmen und die Dinge mit anarchischem Spieltrieb angehen. Sängerin Sister Sarah Yu ist einer der glücklichen Menschen mit Doppelbegabung: Sie ist nicht nur Musikerin, sondern auch Illustratorin. Drei Mal darf man raten, wer das überbordend bunte Cover des neuen Albums „Kala Kala“ entworfen hat! Geoffrey Burton ist der Soundtüftler, der die Bleeps zum Tanzen bringt und Bolis Pupul der Mann hinter den himmelhohen Synthies. Klingt nach sympathischen Nerds! Die nicht die geringste Scheu davor haben, dem niveauvollen Kitsch zu huldigen! Abtanzen kann man zu diesem signalfarbengrellen Postkarten bestens, mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Die Drei kultivieren eine quietschbunte Fröhlichkeit, biegen abenteuerlustig auf abstruse Nebenpfade ab und sind ganz schön übermütig! Dass das Trio verlorengegangene Cousins in Finnland besitzt, weiß es wahrscheinlich nicht: Die längst verblichenen I Was A Teenage Worshipper und ihr unvergessenes „She´s With The DJ“. Aber ich schweife ab. Hänge ja auch mit einem Ohr am Fenster und höre den Torjubel vom nahegelegenen Böllenfalltor: Darmstadt geht heute als Tabellenführer schlafen! Gleichwohl: Der Hong Kong Dong-Track „Postcard“ bietet den perfekten überkandidelten Soundtrack für den Start ins Wochenende!

 

Elegant minimalistische Töne mit WWWater

Humbling power, sacred shower mit WWWater

Humbling power, sacred shower mit WWWater

Alles fließt! Charlotte Adigéry liebt die geschmeidige, sanfte und kraftvolle Bewegung des Wassers. „Humbling power, sacred shower“, so beschreibt die Musikerin aus Gent ihr Soloprojekt WWWater. Bislang ist die Frau mit der kristallwasserklaren Stimme in Belgien vor allem als Background-Sängerin ihrer Landsleute Soulwax aufgefallen. Jetzt geht sie eigene Wege mit WWWater: Bewusst reduziert, elegant minimalistisch, angenehm zurückgenommen. Im Herbst soll eine erste EP erscheinen. Charlotte hat die Tracks zum großen Teil im Do-It-Yourself-Verfahren eingespielt. Klingt aber sehr geschmeidig und so gar nicht holperig lo-fi-mäßig, was die Frau aus der flämischen Metropole hier vorlegt! Einer der ersten EP-Vorboten ist der feine Song „Pink Letters“, in dem es zwar um eine Trennung geht, der aber keineswegs in Traurigkeit ertrinkt: Denn Charlotte Adigéry bewältigt den Schmerz auf ihre Weise, in dem sie mit dem dicken pinken Marker in ihr Tagebuch schreibt und somit einen deutlichen Kontrapunkt zu den tiefschwarzen Passagen setzt. Viel braucht die Musikerin nicht, um maximalen Effekt zu erzielen: Ihre Stimme und einen percussionlastigen Beat, der eine subtile Spannung aufbaut, aber nie aufdringlich wirkt. Dieser Beat würde sich auch als Filmmusik in einem gehobenen Gangsterfilm gut machen! Elektropop, bisschen R´n´B und intelligente 6oies-Anklänge fließen hier harmonisch zusammen. Charlotte Adigéry hat zwar noch keinen Plattenvertrag, aber tritt in diesem Sommer bereits bei den belgischen Sommerfestivals. Und macht neugierig auf mehr!

Foto: Dinaya Waeyaert

 

 

Die Stille sehen. Das geht mit MEK!

Eiigenwilliger Träumer: MEK

Eiigenwilliger Träumer: MEK

In der stillen, sommermüden Stadt zur Ruhe kommen mit verträumtem, sanft entschleunigten Chansonpop. Das geht bestens mit MEK und seinen unangestrengten, nachdenklichen Songs zwischen Tag und Traum. Koen Meirlaen, der Musiker hinter diesem Ein-Mann-Projekt aus Gent, macht um sich nicht viele Worte, sondern gibt sich lieber geheimnisvoll. Informationen zur Vita sind nur spärlich vorhanden, was in Zeiten des allgegenwärtigen Informationsüberflusses schon wieder einen gewissen Charme hat. Nur so viel: Der junge Musiker war zuvor bei den inzwischenen verblichenen Indiepopstera Nova Zembla aktiv und verfolgt nun seinen eigenen Weg mit leicht eigenwilligen, zart elektronischen Sounds, die lieber flüstern statt schreien. Und nur ein kurzer Einwurf zu Gent: Man hat fast den Eindruck, dass mindestens jeder zweite der zahlreichen Studenten an der Universität Gent in einer oder mehreren Bands spielt. Das sind fast isländische Verhältnisse! Auch die Vorliebe für leicht experimentelle, knisternde, filmmusik-affine Klänge, wie MEK sie im feinen Video zu „Utoreen“ pflegt, in dem er uns auf eine Fahrt durch die nächtlichen Staßen Gents mitnimmt. Unbedingt zu empfehlen! Der Mann kann aber auch Piaonopop, wie er mit seiner neuen Single „Breathe“ beweist, wo Newcomerin Wanthanee als Gastsängerin überzeugt. Alles feine Songs, aber im noch schmalen Oeuvre von MEK gefällt das lakonische und empfindsame „See The Silence“ fast am besten. Keine großen Töne um sich selbst machen in Zeiten, in denen Prahlerei und Protzerei regieren: Zurückhaltung ist das neue Laut!

 

Wie das kniespelt und knuspelt mit Lingerwalt

lingerwalt

Auf ins Land der elektronischen Koboldgeräusche mit Lingerwalt

Über die Fragmentierung nachsinnen. Die eigene und die gesellschaftliche. Das tut der Elektroniktüftler Lingerwalt auf seiner Debüt-EP „Comminuted“. Hört sich kompliziert an. Ist es aber nicht, wenn man ein offenes Ohr für Zwischentöne hat. Ein bisschen frickelig, manchmal tastend und mitunter meditativ, aber immer helllwach klingen diese elektronischen Sounds. Wem beim Wort „Tiefgang“ nicht in Angstschweiß ausbricht, der ist hier genau richtig! Wout Vandenbergh heißt der Mann aus der alten Universitätsstatdt Löwen, der hier sein Debüt vorlegt. Es kniespelt und knuspert hier im wilden Wald der künstlich erzeugten Störgeräusche. Der Albumtitel „Comminuted“ bezieht sich übrigens auf einen komplizierten Bruch, der niemals richtig ausheilt. Das sind subtil verstörende Töne, mit denen Lingerwalt hier spielt. Mitunter mag man zu den nervöseren Tracks fast tanzen, aber am besten gefallen doch die langsamen, souverän schlendernden Songs. Dass der junge Musiker dem Isländer Ólafur Arnalds und dessen frühen Alben ausführlich gelauscht hat, darf man ruhig vermuten. Am besten gefällt hier das irrlichternde, angenehm verlangsamte Stück Absence (Coherende Pt. I), das mit seinem tastenden Piano aufmerksam in Richtung Neoklassik schnuppert und sich behutsam auf Ambient-Terrain wagt. Fragen stellen, ausgetretene Pfade verlassen und sich auf schwankenden Boden wagen: In diesem Sinn ist Lingerwalt ein schüchterner Held!

 

Ivy Falls: Fien Deman springt ins Unbekannte

Die Stimme von Fien Deman ist unverwechselbar. Wer sie als Sängerin der Genter Dreampopster I Will, I Swear erlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen. In Erinnerung geblieben ist der erste Deutschland-Auftritt des schüchternen Quartetts beim Golden Leaves Festival in Darmstadt, als mit der zarten Traumverlorenheit dieser Songs mitten am Nachmittag bereits eine zartblaue Dämmerung hereinbrach. Von I Will, I Swear hat man seit geraumer Zeit keine neuen Töne mehr gehört. Vielleicht das auch ein Grund, warum die Sängerin jetzt in neue Gefilde aufbricht?

Strebt mit Ivy Falls auf den mitternächtlichen Dancefloor: Fien Deman.

Strebt mit Ivy Falls auf den mitternächtlichen Dancefloor: Fien Deman.

Fien Deman will über den gehobenen Flüsterpop hinausgehen und hat ihr Soloprojekt gegründet, bei dem es mehr in Richtung reduzierten Elektronikpop geht, zu dem man verlangsamt tanzen kann. Ivy Falls heißt diese musikalische Neuorientierung. Es ist sind verschattete Pastellsounds, die Fien Deman hier pflegt. Sehr elegante, zart angejazzte, leicht chansoneske Töne, denen man in den Stunden zwischen Tag und Traum bestens lauschen kann. Geheimnisvoll und erwachsen kommt die Stimme der Sängerin heute daher. Nur noch ein Hauch Schüchternheit ist geblieben. Fien Deman strebt dazu eher auf den mitternächtlichen Dancefloor als ins stille Kämmerlein für Solo-Träumer. Eine Konstante gibt es aber: Die zarte, schwebende Melancholie ist geblieben, wie auf dem einzig bislang vorliegenden Track „Silver“ deutlich zu hören ist. Musikalische Unterstützung hat sich die Chanteuse bei Mitgliedern von  Sleepers´Reign und Tsar B geholt. Die Debüt-EP von Ivy Falls soll in naher Zukunft herauskommen und den schönen Titel „Mean Girls“ tragen. Klingt so gar nicht mädchenhaft!

(Foto: ©Alexander Popelier)

Stille Töne aus dem Hochmoor: Pale Grey

Stille Träumer: Pale Grey

Leise Träumer: Pale Grey

Von einer Auszeit an der See träumen: Wunderbare Sache! Herrliche Stille, strahlende Sonne! Pale Grey  wünschen sich an den ruhigen Strand. Das Quartett mit Wohnsitzen in Liège und Brüssel feiert im Track „Seaside“ die schüchterne, tiefentspannte Variante des Indiepop und flirtet mit sanften Tropicana-Elementen. Glaubt man den Veranstaltern des Brüsseler Botanique, dann befindet sich der Proberaum der Band in einer Garage in der abgelegenen, windumtosten Hochmoorlandschaft der Hautes Fagnes, hart an der Grenze zu Deutschland und den Niederlanden nahe Aachen. Wer mal in der Nähe ist: Hinfahren! Der Himmel über den Hautes Fagnes ist weiter als anderswo!

Pale Grey sind unauffällige Helden: Denn wenn es Musiker wie diese nicht gäbe, dann stürbe der Pop mal irgendwann an innerer Auszehrung, Denn Pale Grey sind seit dem Jahr 2010 aktiv, haben ein Album und eine EP vorgelegt. Sind auf freundliches Interesse gestoßen, ihrer Heimat ausführlich auf Tour gewesen, aber einen größeren Durchbruch haben sie nie erlebt. Dem feinen taubengrauen Album „Best Friends“ kann man an dunstigen Regentagen bestens lauschen. Reinhören empfohlen via Bandcamp! Die Jungs von Pale Grey lassen sich von ausbleibender größterer Anerkennung nicht von ihrem kreativen Tun abhalten. Machen unverdrossen weiter. Weil sie von diesen still euphorisierenden Sounds nicht lassen wollen, so die wahrscheinlichste Erklärung. Aktuell stecken Pale Grey in den letzten Vorbereitungen zur Veröffentlichung ihrer neuen EP „Ghosts“, die sie bei den magischen Nuits Botanique 2017 vorstellen werden. Der Track „Seaside“ hat zwar auch schon ein paar Monate auf dem Buckel, ist aber eine schöne Visitenkarte für alle, die die Band aus dem Hochmoor kennenlernen wollen!

 

 

 

Der Strahlemann: Témé Tan. Belgium Booms at Eurosonic 2017

Wie er mit seinem Wuschelkopf oben auf der improvisierten Bühne im gemütlichen Plato-Plattenladen in der Groninger Innenstadt steht und mit einem großen Strahlen im Gesicht an seinen elektronischen Gerätschaften hantiert: Mit Témé Tan geht selbst im grauesten Groninger Januar die Sonne auf. Témé Tan alias  Tanguy Haesevoet ist ein neugieriger und superlebendiger Grenzgänger zwischen Brüssel und Kinshasa. Im Alter von sechs Jahren kam er aus der afrikanischen Metropole nach Belgien und hat den Kontakt in die alte Heimat nie abreißen lassen. Auf dem Eurosonic Festival 2017 im niederländischen Groningen ist der junge Musiker Teil der großen Delegation aus dem Nachbarland („Belgium Booms At Eurosonic“). Und eine der schönsten Entdeckungen! Denn Témé Tan schafft es mit verspielter Leichtigkeit, Afro- mit Elektronikpop, Dance und HipHop zu verbinden. Er selbst bezeichnet seinen Sound als „Glamarous Tribal“ und bringt die Dinge damit bestens auf den Punkt. Tanzen kann man bestens zu diesen flirrend-tropischen Klängen! Neben mir steht beim improvisierten Konzert im Plattenladen der Soundmann von Témé Tan, der die Dinge souverän über seinen Laptop managt und lauthals mitsingt. Da ist ein echter Fan an den Reglern! Dass er auch Tiefgang hat, beweist Témé Tan mit „Améthys“, einem zart melancholischen temeund überaus lebensbejahenden Song über seine jüngst verstorbene Mutter. „Wenn ich an Dich denke, dann tanze ich“: Wenn das keine schöne Botschaft ist! Sehr fein und sehr politisch ist auch die Single „Ca Va Pas La Tete“ (übersetzt etwa: Geht´s noch?) Dieser Track hat einen dezidiert politischen Hintergrund und wurde bereits 2014 in Guinea aufgenommen, als dort Ebola wütete und das gesamte westafrikanische Land stigmatisiert wurde. „Ich wollte meinem Freunden und meiner Familie in Europa zeigen, wie lebendig und positiv die Menschen in Guinea trotz dieser schwierigen Lage waren“, sagt Témé Tan zum Hintergrund des Songs. Ernste Botschaft, mit leichter Hand dargeboten: Bitte mehr davon!

(Foto: Miko/Miko Studio)

 

 

Zwischen Reykjavík und Brüssel: Maris

Es maunzt und knistert und knuspert und knispelt, dass es eine wahre Freude ist. Katzen, Elfen und Sumpfhexen dürften bei Konzerten von Maris wohl in der ersten Reihe sitzen. Hinter Maris verbirgt sich eine eigenwillige junge Frau, die über Gott und andere Dinge nachdenkt und sich zwischen Reykjavík, Brüssel und New York bewegt. Mariske marisBroeckmeyer aus der Universitätsstadt Leuven tritt als Musikerin unter dem Namen Maris an. Ihre Welt ist in ein zärtliches Grau getaucht. Auf ihrer Debüt-EP „On God And Other Things“ erschafft Maris wunderliche Gegenwelten, in der Geister und andere Grenzgänger ganz selbstverständlich umgehen. Weirdpop nennt man das wohl, was sie hier mit tastender Neugier erschafft. Maris gefallen die irrlichternden kleinen Alltagsgeschichten die sich zwischen Tag, Traum und Nachtmahren ereignen. Sie spielt in Songs wie dem zart irritierenden „How´s Things“ mit elektronischen Störgeräuschen und legt ihre helle Stimme darüber. Entstanden sind die Aufnahmen in Island, wo sie sechs Monate lang Sound Design studiert hat. Vielleicht hat die Isländerin Sóley ein wenig Patin gestanden, die aber ungleich garstigee Geschichten erzählt als ihre belgische Cousine im Geiste. Maris experimentiert mit leise beunruhigenden Tönen, mischt tribale Klänge mit imaginierten Windharfen und macht sich mit offenen Augen und Ohren auf in das Land hinter den Spiegeln, wo die Dinge auf wundersame Weise sacht aus den Fugen geraten. Passt bestens zum nebeligen, grauen November, in dem die Grenzen zwischen realer und übernatürlicher Welt ohnehin gerne verschwimmen!

FÄR bringen die Dunkelheit zum Glühen

Dort, wo kein Licht ist und die eigenen Gedanken an die Wände prallen, dort wird man FÄR finden. Sagt das Duo aus dem Örtchen Brakel  zu den eigenen, elegant verdüsterten Elektropop-Klängen. Ach, An-Sofie De Meyer und Tim De Gieter, ihr vergesst vielleicht etwas: Von eurer Schwärze geht eine pulsierende Wärme aus, die das Dunkel zum Glühen bringt! faerFÄR schwelgen in großen Mitternachts-Gefühlen, edel und dandyhaft. Das ist wohl Gothic Pop, was das Duo hier zelebriert. Passt doch zum herannahenden Totenmonat November. Die beiden flirten mitunter mit dem Bombast. Verlangsamen die Dinge auf elegante Weise, wenn sie sich auf die Suche nach den Sündern der Nacht machen. Die sollen sie durch unbekannte Gefilde leiten! FÄR lebt von der geheimnisvollen und lasziven Stimme von An-Sofie De Meyer, von der man sich gerne auf Abwege leiten lässt. Das Duo hat in diesen Tagen sein Debütalbum vorgelegt, das von Schwarz-Weiß-Ästhetik lebt. Und dreht die Synthies weit auf in fein überkandidelten Tracks wie“Shot“ weit auf, zu dem sie ein sehr ästhetisches Video gedreht haben. Fast besser gefällt der ruhigere, herzschmerzige Song „Hands“. Wer in die bereits erschienene EP hereinhören will, kann dies über Bandcamp tun. Und sich auf die sanfteste Weise in den Edgar-Allen-Poe´schen Maelström hinabziehen lassen!

 

(Foto: Gert-Jan De Baets)