Schwärmerische Raukehlchen: Amongster

Ganz schön rauhe Kehle für solch einen Jungspund! Thomas Oosterlynck, der bärtige Sänger von Amongster, klingt so, als würde er sich gerne die Nächte um die Ohren schlagen, Selbstgedrehte ohne Filter rauchen und dabei das eine oder andere Bier trinken. Die nächtliche Stadt voller Schatten, in der man zu sehr später Stunde gefühlig den Mond anheult: Die Stadt ist in diesem Fall Gent, die flämische Metropole mit den vielen Kirchen und der stolzen industriellen Vergangenheit. Amongster sind zu viert, waren im vergangenen Jahr unter den Finalisten für den renommierten Nachwuchspreis De Nieuwe Lichting und sind inzwischen von V2 Records Belgium unter Vertrag genommen worden. Die selbst betitelte Debüt-EP ist Anfang März erschienen und ist mitnichten einfach nur puristisch-mitternachtrockig. Denn in die rabenschwarzen Nachgedanken schleichen sich symphonische Elektronica ein, die den Songs des offenkundig am Leben leidenden Oosterlynck alle Wehleidigkeit nehmen. Denn in „Salrow“, einem der tanzbarsten Tracks des Erstlings, offenbaren Amongster ein feines Händchen für das schwärmerische Melodrama. Und zeigen nebenbei, dass Vertracktheit Flügel entwickeln und schwerelos abheben kann! Angst vor Genregrenzen haben Amongster ohnehin nicht: Denn in einer neuen Session für Studio  Brussel covert das Quartett ausgerechnet Coolios Klassiker „Gangsta´s Paradise“. Beim Betrachten des Videos sinnt man lange darüber nach, an wen Herr Oosterlynck uns äußerlich ein wenig erinnert. Endlich macht es „klick“ im Kopf: Er sieht aus wie der kleine Bruder von Tyrion Lannister aus Game Of Thrones!

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Beschwingte Gefühle mit Great Mountain Fire

Beschwingte und fast schon übermütige Gefühle: Gegen tiefhängende Wolken, miesepeterige Menschen und dröge Pflichterfüllung sind die luftigen Töne von Great Mountain Fire ein perfektes Gegengift. Natürlich regnet es auch im musikalischen Universum der fünf Indierockster aus Brüssel mitunter, aber selbst in grauen Himmeln entdecken sie kleine Ecken schwärmerischer Leichtigkeit. Great Mountain Fire sind bereits ein Weilchen aktiv, nannten sich früher Nestor und fanden irgendwann, dass dieser Name nicht mehr zu ihnen passte. Im Jahr 2011 legten sie ihr erstes Album „Canpopy“ vor: Ein fröhliches und mitunter rotzfreches Gute-Laune-Werk, durch das üppige südliche Sonnenstrahlen flirren. Aber auch eine Attitüde lässigen Britpops lässt sich hier entdecken! Von den üppigen Disco-Anspielungen ganz zu schweigen! Der Afrobeat hat im Werk der Brüsseler Band übrigens auch seine Spuren hinterlassen. Die Band selbst beschreibt ihren Sound als „Musik, zu der die Grufties tanzen und die Seeleute weinen könnnen“. Denn wir wollen ja nicht vergessen, dass der Hafen von Antwerpen einer der größten der Welt ist. Da wird sich doch sicher ein sentimentaler Matrose finden lassen! Dem Erstlingswerk kann man übrigens zur Gänze via Soundcloud lauschen.

Aktuell werkelt die Band um Sänger Thomas de Hemptinne am zweiten Album, das sie im Frühjahr 2015 vorstellen will. Und schlägt dabei, so scheint´s, nachdenklichere Töne an. Ist in Ordnung, so lange die Gefühle groß und die Sehnsucht groß bleiben. Aber an diesem fürchterlich trüben Dezembertag lassen wir doch lieber mit dem fröhlichen Track „Crooked Head“ die Sonne herein!