Regenwaldgezwitscher mit Samowar

Elektronisches Vogelgezwitscher? Tribale Rhythmen? Urwald-Elfengesänge? Huch, unterkühlt tropische Töne für den gehobenen Dancefloor? Hinter Samowar steckt das Ein-Frau-Orchester von Leen Diependaele aus der Hafenstadt Antwerpen, die im wuchernden Indietronics-Urwald ihre ganz eigene Lichtung aus schlauen Beats plus hörbaren Flirts mit Techno-und Avantgardeelementen besetzt. Island in den Tropen? Sóley inder Südsee? So könnte sich das anhören! So weit ich das überblicke, hat Miss Dippendaele im vergangenen Oktober eine selbst betitelte EP vorgelegt, auf welcher der Track „Roots“ ganz besonders gefällt. Es sind fragile, subtil verstörende Töne, die hier entstehen. Hinter diesen grün wuchernden Palmen verbirgt sich vielleicht Sinistres. Die tropische Idylle ist anderswo.

https://samowar.bandcamp.com/track/roots

Tanzbare Tropen mit Leaf House

Ein warmer südlicher Luftzug flirrt durch die musikalische Welt von Leaf House aus Liège. Was, aus dieser bröckelnden ehemaligen Stahlmetropole kommen solch luftige tropische Töne? Warum denn nicht! Das Quintett um Sänger Romain Cupper ist allerdings alles andere als eine oberflächliche Sunshine-Reaggae-Kapelle mit einem dämlichem Dauergrinsen im  Gesicht. Nichts da! Lieber hat man es kompliziert, experimentiert mit blubbernden Electronica und gibt sich eher schlau als pflegeleicht. Ohne dabei einem überbordenden intellektuellen Überbau zu errichten! Tribale Rhythmen halten hier am Rande der Tanzfläche Händchen mit eigenwilligen Indietronica und mitunter aufmüpfig aufheulenden Gitarren. Und erstaunlicherweise klingt das im Ergebnis sehr tanzbar! Vor knapp einem Jahr hat man den ersten Longplayer „Lleeaaffhhoouussee“ vorgelegt, der so munter macht wie der erste schäumende Kaffee nach einer langen Nacht. Der übrigens nicht in der heimischen Wallonie, sondern im Hinterland von Ibiza aufgenommen wurde!  Stilistisch fassen lassen wollen sich die Fünf nicht, die sich nach einem Song  von Animal Collective benannt haben. Lieber hüpft man unbekümmert durch den Dschungel der Zitate und klingt im sehr feinen Track „Feel Safe“ zunächst so, als würde Roland Gift von den Fine Young Cannibals „Somewhere Over The Rainbow“ singen. Nur um anschließend umso mächtiger auf die Tanzfläche zu streben! Dem Erstling kann man zur Gänze via Bandcamp lauschen und dort noch so manche unerwartete Entdeckung machen.