Schönes Geschrei ist das, Brns!

Diese Frage gilt es zu beantworten: Wie schlägt sich das belgische Experimentalpop-Quartett BRNS, in der eigenen Heimat eben für sein Debütalbum „Patine“ ausgezeichnet, in der deutschen Provinz, wo man sie kaum kennt? Zur Beantwortung muss man sich ins tiefste Südbaden nach Lörrach aufmachen, wo mit dem Between The Beats-Festival ein dreitägiges Schaulaufen hörenswerter neuer Klänge aus allen Ecken Europas zu stattfindet. Die Musikfreunde aus dem 70 Kilometer entfernten Freiburg werden sogar per Shuttlebus antransportiert! Die Fans aus Basel können über die Grenze spazieren und die aus dem Elsass rasch rüberradeln. Schöne Vielfalt im Dreiländereck! BRNS fällt am Freitag die scheinbar undankbare Aufgabe zu, den Abend um Punkt acht zu eröffenen. Die Vier aus Brüssel haben erfreulicherweise keine Scheu vor unbekanntem Publikum. Denn das kann man unbedingt fordern mit einer intensiven Mélange aus tribalem Lärm, vielstimmigem Gesang und dem ungenierten Verwenden von Melodicas aus dem Kinderzimmer-Fundus. Hoppla, hier gilt es zuzuhören, um die komplexen Strukturen hinter diesen mit wilder Spiellust vorgetragenen, hoch euphorisierenden Tracks angemessen goutieren zu können! Denn simpel ist das nicht, was die vier bescheiden auftretenden, hoch diszipliniert aufspielenden Belgier hier präsentieren. Es sind schlaue, verschachtelte Tracks, die sich vorschneller Verortung souverän entziehen und mit eleganter Widerborstigkeit punkten. Dass hier vor allem der großgewachsene, ungelenk wirkende Schlagzeuger singt, gibt sowieso Pluspunkte! An stilistischen Nachbarn fallen an diesem Abend vor allem die Dänen Treefight For Sunlight und The Kissaway Trail ein. Weil diese mit ähnlicher Leidenschaft aufspielen und Schönheit mit Unberechenbarkeit verbinden. BRNS machen wenige, aber launige Ansagen auf englisch, in die sich immer mal wieder ein „alors“ oder „voilà“ einschummelt. Was man in diesem deutschen Landesteil wegen der nahen französischen Grenze übrigens ohne Problem versteht. Knappe 45 Minuten: Ein schräges, intensives Feuerwerk aumüpfiger und überaus intelligenter postpoppiger Töne wird hier abgebrannt. Man denkt immer nur: Was fällt BRNS wohl als nächstes ein? Sicherlich Sounds, die man so nicht erwartet hätte! Und wenn alle vier Bandmitglieder aus Leibeskräften singen, als ginge es um das liebe Leben, dann weiß man, dass man von diesen Vieren noch einiges erwarten kann. BRNS sind übrigens gerade auf dem Weg nach Austin zum renommierten South By Southwest-Festival, wohin sie als eine der wenigen, handverlesenen Bands aus Belgien eingeladen wurden. Das wunderbare Video zu „Many Chances“ ist jedenfalls schon mal eine gute Empfehlung!

Frei wie die Möwen mit Sonnfjord

Sanfte Blau- und Grüntöne dominieren, wenn man die Website von Sonnfjord besucht. Klar, das müssen Skandinavier sein, Norweger wahrscheinlich. Falsch gedacht! Das Quintett um Sängerin und Gitarristin Maria-Laetitia Mattern kommt aus der Kleinstadt Braine L´Alleud vor den Toren Brüssels, wo vor 200 Jahren die Schlacht von Waterloo tobte. Verträumt, sanft und nachdenklich geht es hier zu, wenn Sonnfjord ihre folkpoppigen Songs mit leichter Feder zeichnen und die Fleet Foxes oder First Aid Kit als wichtige Einflussfaktoren nennen. Was hier den kleinen Unterschied ausmacht, das ist die helle, ausdrucksstarke Stimme von Maria-Laetitia Matern. Die es übrigens hervorragend vesrsteht, die Klaviatur der Zwischentöne zu bedienen! Die Debüt-EP „Wooden Hills“ ist gerade erschienen. Die Werkschau der Wallonen muss naturgemäß noch knapp ausfallen, aber das feine Video zu „Seagull“ spielt auf subtile Weise mit Eskapismus-Fantasien und dem starken Wunsch um die Bewahrung der kindlichen Unschuld und des naiven Blicks auf die Welt. Wegfliegen wie die Möwen, schön wäre das! Sonnfjord gelingt es hier bestens, eine zart ziehende Sehnsucht in unserer Magengrube zu erzeugen. Und das schaffen sie mit bewusster Zurückhaltung. Laute Töne sind die Sache von Sonnfjord nicht. Gut so! Und um die weiblichen Huckleberry Finns im Video brauchen wir uns wohl keine Sorgen machen: Die werden der durchgetakteten Erwachsenenwelt immer wieder mit nächtlichen Taschenlampensignalen Paroli bieten

Euphorisch scheppern mit Yawns

Wer sagt denn,  dass Psychedelikpop ernsthaft und erdenschwer daherkommen muss? Die Neo-Hippies mit den langen Matten wie etwa die aktuell angesagten Temples machen zwar mächtig Retro-Lärm, sind aber auf der Bühne ziemlich angestrengt damit beschäftigt, cool und glamrockig auszusehen. Es geht doch auch anders, es geht doch auch luftiger und es geht vor allem auch euphorischer. Das beweisen die putzmunteren Jungspunde Yawns aus „Cloud City“ (wer bei Wikipedia nachschaut, wo das denn sein soll, stößt auf eine fiktive Stadt im Star-Wars-Universum!), die noch nicht mal stilechtes Langhaar haben müssen, um ziemlich 60ies-mäßig zu klingen. Die Vier um Sänger Jeroen Ernest Geboers kommen jedenfalls aus dem niederländischsprachigen Teil Belgiens und bezeichnen die eigenen Klänge wunderbar zutreffend als „Lo-fi Space Pop“. Passt! So gefällt gepflegt schepperndes Gitarrengeschrammel! Im sehr abgedrehten Video zum Song „I Want To Go Where Nobody Knows My Name“ entführen uns Yawns so erfolgreich in ein eigenwilliges Paralleluniversum, dass wir fast verpassen könnten, dass hier jede Menge feine Melodien zum munteren Steppen durch Haight Ashbury einladen. Die Farben verschwimmen uns vor den Augen, uns wird leicht schwindelig, aber zum gepflegten Abtanzen sind diese latent aufmüpfigen Töne bestens geeignet. Mit einem breiten Lächeln im  Gesicht. Weil uns trotz der Absonderlichkeiten aus dem 60ies-Raritätenkabinett hier sehr warm ums Herz wird!

 

Im Wintergarten mit The Feather

Tagträume sollten so luftig sein wie Federn, die durch die Lüfte segeln. Trödeln und die Zeit vergessen sollte man beim Tagträumen. Müßig im Wintergarten sitzen oder schlendernd sonnige Gassen flanieren. Zu den Sounds von The Feather lässt sich bestens müßiggehen! Und es gibt sogar einen Song über Wintergärten! Hinter dem Projekt steckt der Musiker Thomas Medard aus Liège, der auf seinem Solo-Debütalbum „Invisible“ den Universalkünstler gibt und sämtliche Instrumente von der Gitarre bis zum Glockenspiel selbst eingespielt hat. „Homemade Indiepop“ nennt er seine Mélange aus singer-songwriterhafter Innerlichkeit, poppiger Leichtfüßigkeit, zarter Melancholie und jeder Menge Schwärmerei! Und irgendwie meint man, hier noch einen Tick Montmartre-Bohème á la Amélie herauszuhören. Denn eine ganz kleine Prise Übermut ist hier das Körnchen Pfeffer in der Suppe! Dem gesamten Album kann man erfreulicherweise via Bandcamp lauschen!

An diesem grauen Abend gefällt das verspielte „Rays“ ganz besonders. Zu dem man die schneematschbedeckte Straße fast schon herunterhüpfen möchte. Weil man sich über die zurückgenommene Zärtlichkeit dieses Tracks freut!

„Invisible“ ist bereits im Herbst vergangenen Jahres in Belgien herausgekommen. Bei uns erscheint das Debüt am 27. Februar bei den netten Menschen von Popup Records. Und dazu gibt es auch eine Tour, die erfreulicherweise auch in meine Nähe führt.

17.03. Mainz – Schon Schön
18.03. Chemnitz – Aaltra
21.03. Berlin – Lido @ KarreraKlub
24.03. München – Glockenbachwerkstatt
25.03. Nürnberg – MUZ
26.03. Freiburg – Swamp
27.03. (CH) Bern – tbc
28.03. Stuttgart – Café Galao

Zum Einstimmen gibt es das verhalten euphorische „Sighs“, wo der Meister durch verschneite (Ardennen?)-Wälder stapft. Auch schön!

Schwebende Nachdenklichkeit mit Leonore

„Eine herzzreißende Stimme, die von der Dunkelheit ins Licht führt“: Manche Bands beherrschen tatsächlich die Kunst, ihren eigenen Sound in angemessenen Worten zu beschreiben. Leonore, die Band aus Brüssel um die Sängerin Chloë Nols, beschwört karg leuchtende Soundlandschaften herauf, in denen die Dinge aufs Wesentliche reduziert werden.leonor Der Gedanke an kalte, klare Schneelandschaften liegt nahe. Und so verwundert es nicht wirklich, dass Chloë zu verschiedenen Aufnahmesessions ins winterliche Stockholm gereist ist, um mit Christian Edgren zu arbeiten, dem Produzenten von Stina Nordenstam.

Es ist keine naive Mädchenmusik, die hier mit feiner Melancholie zelebriert wird. Es sind erwachsene Songs voller schwebender Nachdenklichkeit. Von dumpfer Erdenschwere keine Spur! Seelenschau wird zwar betrieben und zurückgeblickt sowiese: Auf die Lieben, die nicht sein sollten, etwa. Chloë, die sich als Fan der Isländerin Sóley bekennt, fühlt sich hörbar wohl in flüchtigen Zuständen, die sie mit poetischer Sensibilität beschreibt. Das tun andere Chanteusen natürlich auch! Aber es die nuancierte Stimme, die hier den Unterschied macht. Weniger ist für Leonore 0ffenkundig mehr. Ganz besonders gefallen tut der balladige Track „For You“, der natürlich wieder von verlorener Liebesmüh handelt, aber dabei angenehm lakonisch ist. Liebeskummer muss nicht wehleidig sein, sondern kann sogar kluge, schwärmerische Gedanken befördern. Gut so! Debütalbum soll wohl in Bälde erscheinen: noch besser!

(Foto: Jonathan Wannyn)

Unterwassermusik mit Arsenal und Lydmor

Wie schön, wenn zwei ansonsten meist getrennte musikalische Sphären (und persönliche Vorlieben!) unterwartet zusammenkommen: Belgischer und skandinavischer Elektropop! Die Szene-Veteranen Arsenal (man benannte sich übrigens nicht nach dem britischen Fussballklub, sondern nach einen Weltkrieg-Zwei-Waffendepot in der Nähe des Proberaums der Band in Brüssel) und die dänische Chanteuse Lydmor (alias Jenny Rosander) haben sich in Sachen ätherischer, schwebender Töne zusammengetan. Für ein ganz neues Projekt, das Hendrik Willemyns and John Roan aus der Taufe gehoben haben: „Dance! Dance! Dance!“ lautet der Name des Gesamtkunstwerks aus Film und Musik, in dem die Belgier die Geschichte eines vergessenen japanischen Musikers namens Furu nacherzählen. Traditionelles Kino verbindet sich hier mit Live-Musik. Die beiden Masterminds aus Brüssel wurden auf der Suche nach passenden weiblichen Vocals für ihr Projekt ausgerechnet in Kopenhagen fündig. Man traf sich und redete. Und harmonierte so wunderbar, dass die Belgier die scheue Kopenhagenerin tatsächlich davon überzeugen konnten, ein Video für den Track „Temul (Lie Low)“ komplett drei Meter unter Wasser zu drehen. Trotz Schwimmkennntnissen auf Freischwimmerniveau! Das Video ist aktuell leider nur in verkürzter Form zu sehen, schade! Aber spielt auf wunderbare Weise mit allen Melusinen-Klischees dieser Welt. Von Lydmors dänischer Landsfrau Ophelia ganz zu schweigen! Die belgischen Newcomer Vuurwerk (über die demnächst in diesem Blog zu lesen sein wird!) haben übrigens einen feinen Remix von „Temul (Lie Low)“ vorgelegt.

Die ästhetischen Experimente von Arsenal machen unbedingt Lust darauf, sich tiefer in das Schaffen des Duos zu vertiefen, das bislang fünf Alben vorgelegt hat. Via Soundcloud lassen sich hier so manche Überraschungen erleben. Denn die Belgier sind nicht nur die Meister der feinen und vertäumten Töne, sondern legen elegant vertrackte elektronische Songs für die Tanzfläche vor. Und finden mitunter auch gefallen daran, Rumpelstilzchen zu spielen!

Dekadenz 1.0 mit Lohaus

Wer war denn bloß Bernd Lohaus, der den Namensgeber für die junge belgische Elektropopband Lohaus gibt? Man muss selbst als einigermaßen kunstinteressierter deutscher Mensch die Firma Wikipedia befragen. Also: Ein Avantgarde-Bildhauer aus Düsseldorf, den es der Liebe wegen nach Antwerpen verschlagen hat. Wo er gemeinsam mit seiner Gattin die experimentierfreudige Galerei Wide White Space betrieb. Aha! Lohaus kommen, so weit ich das überblicke, aus dem flämischen Örtchen De Kempen. Die vier Nachwuch-Nerds sind im elegant verschachtelten und auf üppige Weise mit den Emotionen spielenden, wunderbar verlangsamten Synthiepop zuhause. Durch den schwüle südliche Düfte streichen. Seinen hohen Wiedererkennungswert bezieht das bislang sehr schmale Werk des Quartetts aus den dandyhaften Falsett-Vocals des Sängers. Die so schön dekadent und überkandidelt klingen! Man hat sich das ungefähr so vorzustellen wie die Stunde, in der Brian Molko sachte in den Winterschlaf sinkt. Eine gewisse Seelenverwandschaft des Placebo-Sängers zu Belgien ist ohnehin vorhanden: Denn nur wenige wissen, dass Molko in Brüssel geboren wurde!

Lohaus also. Verschattete Nachdenklichkeit, gehobene Melancholie, elegante Nachtpoesie. Sich treiben lassen wie alle gehobenen Taugenichtse dieser Welt, auf der Suche nach der schwarzen Blume. Ein wenig Überdruss und ein wenig altkluge Romantik. Das sind Töne für alle blauen Stunden dieser Welt, in denen man müßig auf dem Sofa liegt und den verpassten Gelegenheiten nachtrauert. Aber nicht zu sehr. Lieber kostet man die bittersüßen Gefühle aus, berauscht sich an Pastellfarben und betrinkt sich mit Absinth. Und lässt sich von reduzierten, zutiefst schwarzromantischen Balladen überwältigen. Hach! Das klingt so wundervoll nach Fin de Siècle!

Zu Heiligabend ins Kloster mit Soldier´s Heart

Heiligabend darf es in einem Musikblog schon mal besinnlicher zugehen. Aus diesem Grund folgen wir Soldier´s Heart, einer Newcomerband aus Antwerpen, in ein ehemaliges Kloster nach Gent. Wo die Fünf sogar auf der ehrwürdigen Orgel spielen dürfen und hörbar ihren Spaß haben! Die Band um Sängerin Sylvie Kreusch besteht erst seit knapp einem Jahr. Pflegt eine angenehm zurückgenommene Form des verträumten elektronischen Pop von unauffälliger Eleganz. Erzählt kleine, aber durchaus vertrackte und auf unsentimentale Weise sehnsüchtige Songs. Wobei die helle, ausdrucksvolle Stimme von Sylvie Kreusch den Unterschied macht. Selbst wenn sie flüstert – wir hören ihr mit fast schon angehaltenem Atem zu!

Das Oeuvre von Soldier´s Heart fällt bislang recht schmal aus, aber die beiden auf Soundcloud zugänglichen Songs lassen in ihren ungestrengten Leichtigkeit doch aufhorchen. Mitunter flirren wie im feinen Track „African Heart“ auch jazzige Einsprengsel auf. In Belgien hat die Band, die sich nach dem Da-Costa-Syndrom benannt hat, schon mehrere Nachwuchswettbewerbe gewonnen. Zuletzt ist man mit den bereits bekanteren Landsleuten Balthazar durch England getourt und hat erste Auftritte in New York absolviert. Trotz aller Leichtigkeit weben Soldiers´s Heart sanft dunkelgraue Töne in ihre Tracks. Kein Wunder, dass sie ein schönes Cover vom Echo And The Bunnymen-Klassiker „The Killing Moon“ im Repertoire haben. Da dürfte durchaus eine gewisse Seelenverwandschaft bestehen! Soldier´s Heart spielen im Januar auf dem Eurosonic Festival in Groningen – ich bin gespannt darauf, die Fünf live zu erleben!

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Stummfilmmusik mit We Stood Like Kings

Stummfilmmusik muss expressiv sein. Emotionen tiefenscharf widerspiegeln. Und trotzdem eine gewisse Leichtigkeit und Luftigkeit vermitteln, die dem visuellen Medium des Films eigen ist. Und was könnte sich für Stummfilmmusik besser eignen als der instrumentale Postrock? Der war leider im Jahre 1927 noch nicht erfunden, als Walter Ruttman den experimentellen Dokumentarfilm „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ drehte. Der in scheinbar flüchtigen Assoziationen den Tagesrhytmus der Metropole in bewegten Bildern widerspiegelte. Fast 75 Jahre später machen sich die belgischen Instrumentalrocker We Stood Like Kings daran, diesen Stummfilmklassiker mit ihren leidenschaftlichen, zarten und elegischen Tönen zu unterlegen. Das Quartett kommt aus allen Landesteilen Belgiens und ist in Brüssel basiert. Und tritt einmal mehr den Beweis an, dass die zu fein ausufernden Tracks neigenden Postrocker die letzten Romantiker auf Erden sind. Die mit zarter und heftiger Hingabe die großen Spannungsbögen aufbauen. Im Zentrum steht das Piano von Judith Hoorens, das sich hier auf eine empfindsame Bildungsreise in die 20er Jahre begibt. Im idealisten Falle goutiert man diese Töne live im Kino, parallel zur Aufführung des Filmes. Und dieser Post wird unter anderem auch deshalb verfasst, weil das deutsche Publikum Anfang Januar 2015 in Oldenburg, Marburg und München eben in diesen Genuss kommt. Genauere Angaben hier.

Den Belgiern gelingt es auf „Berlin 1927“ übrigens mit erstaunlicher Mühelosigkeit, zwischen den Stimmungen zu wechseln: verträumt, episch, nachdenklich, heftig, strahlend. Und tragen erfreulicherweise an keiner Stelle zu dick auf, sondern lassen die Dinge lieber in der Schwebe. Gut so! Via Bandcamp lässt sich ein wunderbarer erster Eindruck in das musikalische Universum von We Stood Like Kings gewinnen. Die sich übrigens auch bei ihrem nächsten Projekt der neuen Vertonung klassischer Stummfilme gewidmet haben. Dieses Mal geht es um den russischen Klassiker „A Sixth Part Of The World“ von Dziga Vertov aus dem Jahr 1926. Album erscheint im kommenden Jahr!

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Forest Bath: Die Illustratorin singt

Eigentlich ist Joanna Lorho von Hause aus Illustratorin.  Aber während ihrer Studien hat sie die Musik nie aus den Augen verloren. Forest Bath nennt die Musikerin aus Brüssel ihr Projekt. Und es mag nicht wirklich verwundern, dass dieser reduzierte Kammerpop flüchtige, aber präzise hingeworfene Miniaturen in den Mittelpunkt stellt. Stimme, Piano und sonst nichts. Es sind reduzierte, postromantische Stimmungsbilder, die Forest Bath hier entwirft. Zu diesen sanft entrückten Tönen mag man sich auf das blaue Sofa legen und einen dicken victorianischen Roman lesen. Es geht hier minunter leicht balladig, viel öfter aber klug verträumt zu. Joanna Lorho liefert den perfekten Soundtrack für ein nachdenkliches Roadmovie, in dem sich die Helden durch spätherbstliche Landschaften treiben lassen könnten.

So weit ich das mit meinen leicht angerosteten Französischkenntnissen überblicke, hat Forest Bath bislang weder Album noch EP veröffentlicht, aber stellt auf ihrer Soundcloud-Seite einen Überblick ihrer bislang erschienen Songs zusammen. Hier kann man länger hängenbleiben und sich in graublauen Träumereien verlieren! Und sie gehört zu den Finalisten des wallonischen Nachwuchsförderungsförderungswettbewerb Cour Circuit und darf am 20. Dezember im wunderbaren Botanique in Brüssel spielen.

Von den bislang vorgelegten Tracks gefällt das stille „The Barn“ besonders gut.