Schwelgen und schwärmen mit Felix Pallas

Nachtschwärmer: Felix Pallas

Nachtblau: Felix Pallas

Was ein Luxus! In überkandidelten Klangwelten zu schwelgen und dabei keine Angst vor großen Gefühlen haben! Felix Pallas zelebrieren das gehobene Melodrama und sehnen sich nach den großen Tagen zurück, als man die Discokugel noch mit leuchtenden Augen anhimmelte. Keine Frage: der neue Track „Similarities“ ist angenehm dekadent. Hier sollen die Synthies die Weltherrschaft ergreifen! Erfreulicherweise tragen die Vier um Falsett-Sänger Simon Nuytten und seinen Bruder Jan-Pieter an keiner Stelle zu dick auf, sondern schaffen eine Atmosphäre entspannter Eleganz. Die Schönheit lieben und sich dabei nicht übertrieben echauffieren: Das kriegen Felix Pallas mit leichter Hand hin. Und haben gleichwohl den Groove! Sehr großstädtisch und newyorkerisch klingen diese Sounds. Und man bekommt sofort Lust, den wunderbaren Film The Last Days Of The Disco endlich mal wieder zu sehen! Felix Pallas sind, ganz klar, auf der Suche nach dem perfekten Synthiepopsong. Im Herbst wird ihre Debüt-EP beim belgischen Label Disco Naivete herauskommen. Man hört diese luxusverliebten Klänge und eine musikalische Erinnerung pingt im Köpflein auf. Ach ja, Schweden! Ach, Eskobar! Statt Städtepartnerschaften sollte es auch Musikerpartnerschaften geben: Eskobar und Felix Pallas: Passt! Und jetzt genießen wir „Similarities“. Und danach hören wir uns endlich mal wieder den wundervollen Track „Someone New“ an!

Leise flehen meine Lieder: Felix Pallas

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Felix Pallas

Wenn Männer schöner flehen, dann freuen wir uns doch: Da denken wir doch sofort an die wunderbare Szene aus dem 80er-Teenie-Klassiker „Pretty In Pink“ zurück, in der Anti-Held Duckie sich zu „Please Please Please Let Me Get What I Want“ von den Smiths  so sehnlichst wünscht, dass seine angebetete Andie seine Liebe endlich erwidert. Sie tut es natürlich nicht, sondern wählt idiotischerweise den wankelmütigen reichen Schnösel mit dem schwachen Mund. So geht das halt. Drehbuchautor John Hughes gönnt Duckie ein halbgares Happy End, das sich fürchterlich falsch anfühlt. Schön flehen tun auch Felix Pallas aus dem flämischen Örtchen Brasschaat: Sie tun das allerdings in Cinemascope, mit überkandidelten Falsett-Vocals und mit himmelhohen Synthies. Mitunter fühlt man sich fast an die jungen A-ha erinnert. Aus heutiger Sicht erscheinen die 80er im Übrigen fast wie die Zeit der Unschuld.

Schmachten de luxe: So geht das! Der Geist der luxusverliebten 80er Jahre wabert durch wunderbar künstliche Tracks wie „Curse“: Man könnte fast glauben, dass diese vier Herren (darunter übrigens ein Bruderpaar) weiße Bundfaltenhosen tragen! Felix Pallas ist selbstredend keine reale Person, sondern ein Konstrukt. Der Klang dieses Namens gefiel den Bandmitgliedern, weil er Latein und Griechisch verbindet. Da muss man erstmal drauf kommen! Hat hier etwa der klassisch-altsprachliche Schulunterricht bleibende Spuren hinterlassen?

Sänger Simon Nuytten und seine Mitstreiter sind in den vergangenen drei Jahren in Belgien bei verschiedenen renommierten  Nachwuchswettbewerben in die Endrunde gekommen. Sie haben bereits den Sprung über den Kanal geschafft und sind mehrfach in London aufgetreten. Aktuell werkelt das Quartett an seiner  zweiten EP. Über die empfehlenswerte belgische Musik-Entdecker-Site vi.be kann man ausführlich in die Songs aus der Anfangszeit des Quartetts hineinhören, die nicht ganz so überlebensgroß ausgefallen sind und fast zugänglicher wirken. Der neue Track“Curse“ mit seinen Vocoder-Effekten ist allerdings ein feines Stückchen Synthiepop mit einer kleinen schwarzen Rose im Knopfloch. Schwelgen wir weiter in elegantem Dunkelblau!

Nachtblaue Töne mit Mannequins On 7th Street

Um die Mitternachtsstunde kommen die bittersüßen Gedanken. Das kleine Lächeln über all die wunderbaren Dinge, die mit uns passiert sind. Die Sehnsucht nach dem unwiederbringlich Vergangenen. Die leise Trauer über die entscheidenden Sätze, die wir nicht gesagt haben. Von dieser Stimmung ist der feine Track „Midnight“ geprägt, den die Brüsseler Elektropopsters Mannequins On 7th Street neu veröffentlicht haben. Tim de Fontaine und Alexandre Lambrecht kommen ursprünglich aus Brüssel und sind jetzt, so weit ich das überblicke,nach London umgezogen. Monsieur Lambrecht ist unter dem Namen Halehan zudem solo als Singer-Songwriter unterwegs und klingt dabei wie der junge Teitur, was nicht die schlechteste Empfehlung ist. Der neue Track „Thunder Baby“ ist ein schönes Stück Befindlichkeits-Liedgut. Aber ich schweife ab! Denn alles fing damit an, dass Alexandre mir eine sehr nette, höfliche Mail schrieb und  mich auf Mannequins on 7th Street aufmerksam machte. Ohne marktschreierisches Promo-Gedöns. Das war schon mal ein guter Anfang! Aber auch die Musik des Duos überzeugt: Fein zurückgenommener, angenehm sehnsüchtiger und wunderbar grenzwertmelancholischer Elektropop. Ein Hauch The XX schwebt über diesen elegant nachtblauen Tönen. Wer nach Mitternacht noch Lust auf mehr hat, kann in die vor rund einem Jahr veröffentlichte EP „Superblue“ hereinhören und sich ganz dem sanften Seelenschmerz hingeben.

Fledermausnächte mit Fabiola

Fledermäuse spielen im musikalischen Universum von Fabiola eine wichtige Rolle. Zumindest könnte man beim Betrachten des sehr coolen Videos „Kingdom“ auf diese Idee kommen, wenn die beliebteste Spezies aus der Gruselfilm-Menagerie in den blauschwarzen Abendhimmel entschwindet. Hinter Fabiola steckt der Musiker Fab Detry, der bereits seit über zehn Jahren in verschiedenen belgischen Bands aktiv ist, unter anderem bei den famosen Hallo Kosmo, die es leider aus traurigen Gründen nicht mehr gibt. Aber nun: die Gegenwart! In der Fabiola dem ironischen, plüschigen und verspielen Synthiepop huldigt. Und sich als begeisterter urbaner Nachtschwärmer outet. Das Ergebnis klingt so künstlich wie Prickel Pit und zischt übermütig auf der Zunge. Und versprüht trotz aller Synthiefanfaren einen naiven Charme. Als würde Monsieur Detry gerne aus seelenvollen Vampiraugen den Mond anheulen. Und dabei traurig und überschwänglich zugleich sein! Denn merke: Hinter jedem Gothic-Movie-Aficionado steckt ein kleiner Romantiker! Wer seine eigenen Töne augenzwinkernd als „Überpop“ bezeichnet, der bekommt sowieso Pluspunkte! Suchmaschinenfreundlich sind weder Band- noch Songname, aber das wollen wir Fabiola gerne verzeihen, wenn sie noch mehr feine Songs vorlegen! Zu denen man sogar zu mitternächtlicher Stunde noch mitpfeifen möchte!