Träumen Replikanten von Urlaubspostkarten? Hong Kong Dong

Geheimnisvolle Kreaturen: Hong Kong Dong aus Gent

Geheimnisvolle Kreaturen: Hong Kong Dong aus Gent

Wenn ich Siri frage, wovon sie träumt, dann antwortet sie. „Von elektrischen Schafen. Aber nur manchmal“. Wovon Hong Kong Dong aus Gent träumen? Vielleicht von üppigen Cremetorten im Pastell-Look oder quietschbunten Urlaubspostkarten? Die Drei aus der flämischen Metropole sind sympathische Querköpfe, die sich selbst erfreulicherweise nicht allzu zu enst nehmen und die Dinge mit anarchischem Spieltrieb angehen. Sängerin Sister Sarah Yu ist einer der glücklichen Menschen mit Doppelbegabung: Sie ist nicht nur Musikerin, sondern auch Illustratorin. Drei Mal darf man raten, wer das überbordend bunte Cover des neuen Albums „Kala Kala“ entworfen hat! Geoffrey Burton ist der Soundtüftler, der die Bleeps zum Tanzen bringt und Bolis Pupul der Mann hinter den himmelhohen Synthies. Klingt nach sympathischen Nerds! Die nicht die geringste Scheu davor haben, dem niveauvollen Kitsch zu huldigen! Abtanzen kann man zu diesem signalfarbengrellen Postkarten bestens, mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Die Drei kultivieren eine quietschbunte Fröhlichkeit, biegen abenteuerlustig auf abstruse Nebenpfade ab und sind ganz schön übermütig! Dass das Trio verlorengegangene Cousins in Finnland besitzt, weiß es wahrscheinlich nicht: Die längst verblichenen I Was A Teenage Worshipper und ihr unvergessenes „She´s With The DJ“. Aber ich schweife ab. Hänge ja auch mit einem Ohr am Fenster und höre den Torjubel vom nahegelegenen Böllenfalltor: Darmstadt geht heute als Tabellenführer schlafen! Gleichwohl: Der Hong Kong Dong-Track „Postcard“ bietet den perfekten überkandidelten Soundtrack für den Start ins Wochenende!

 

Frauenmusik mit Wuman

Warum bloß nennt sich sich eine rein aus Männern bestehende Band ausgerechnet Wuman? Dafür gibt es einen ebenso simplen wie überzeugenden Grund:

Wuman is female music composed by male humans

Ach so! Da muss man(n) erstmal drauf kommen! Wuman sind ein Quartett aus dem Provinznest Tournai nahe der französischen Grenze, das zwar eine beeindruckende Kathedrale und einen Turm für Heinrich XVIII. (das war englische König, der gerne seine Frauen köpfen ließ!) vorweisen kann, aber sonst nicht viel. Die Vier sind längst nach Brüssel umgezogen. Und schreiben Frauenmusik! Oder das, was sie darunter verstehen: Also einen sehr leichtfüßige, südlich flirrenden, percussionlastigen und tropischen inspirierten Pop! Das klingt mitunter so fröhlich wie Paul Simons The Rhythm-Of-The Saints-Phase. Wechselt aber unvermittelt in ausufernde, leicht experimentelle Postpop-Klänge und ist dazu noch ungemein tanzbar! Und schlau dazu, ohne aufdringlich zu sein!  Man segelt ähnlich wie die famosen dänischen Cousins Treefight For Sunlight auf dem weiten Ozean der überkandidelten Opulenz, ohne es wirklich damit zu übertreiben. Kürzlich haben die Vier ihre sehr feine Debüt-EP „Portraits“ herausgebracht. Die sechs Tracks sind allesamt nach Frauen benannt! „Wuman zeichnen Frauen ohne Stift und Papier“ merken die Macher des Botanique an, des schönsten Brüsseler Veranstaltungsortes. Recht haben sie! Und am Samstag stehen Wuman dort in der Rotonde auf der Bühne, denn sie stehen im Finale des renommierten Nachwuchswettbewerbs Concours Circuit. Das haben die begabten Nachwuchskräfte unbedingt verdient! Und wie üblich werden sie das Konzert einer Frau widmen, was sie üblicherweise tun! Via Soundcloud kann man in die EP hereinhören. Meine Highlights: Das afropoppige „Sara“ und das verträumt-verspielte „Julia“, wo Gastsängerin Julia Minkin glänzt. Ganz klar, dass sich die Jungs hierfür mit einem Songtitel revanchieren müssen!