Liebe tötet: Candle.Bags

Die dunkle Dame, das ist sie unbedingt. Inge Henrotay, Sängerin der Avantgardisten Candle.Bags, hat eine glamourös gepeinigte Stimme und irrlichtert gekonnt zwischen experimenteller Weltschmerz-Lady und laszivem Nachtschattengewächs. Leicht zu goutierende Töne sind es nicht, die Inge und ihr Cousin Dirk Henrotay hier präsentieren. (Übrigens Cousins in der Musikgeschichte: Wo gibt es das noch?) Wenn der Titel der Debüt-EP „Love Kills“ heißt, dann ist kaum zu erwarten, dass es hier um harmlose, sanfte Liebelei geht. Das Duo aus dem südbelgischen Hasselt verbirgt sich gerne hinter dichten Bäumen und will sich auf dem Erstling partout nicht stilistisch festlegen. Garage, Grunge, Postpunk, Soul, Wave und Düsterpop sind hier Geschwister. Und dass Inge Henrotay nicht nur singt, sondern auch als Flötistin überzeugt, ist nur eine der Überraschungen, die hier geboten werden. Heftige Ausbrüche und fast schon kontemplatives Innehalten sind auf diesem Debüt keineswegs Widersprüche! Grenzwert-hysterisch auf Tracks wie „Albert“, rockige Femme-Fatale auf „Old Stone“ oder Shirley Mansons verloren gegangene belgische Schwester in „Secret Garden“: Inge Henrotay verkörpert das alles und noch viel mehr! Über die empfehlenswerte Website vi.be kann man ausführlich in diese mitunter verstörenden Sounds hineinhören. Ach, und die unbestreitbare Seelenverwandtschaft mit Nick Cave habe ich bislang noch unterschlagen! Im gekonnt verschleppten, nur beim ersten Hören sanften Track „B-ordeaux“ kann man übrigens auf subtile Weise das Gruseln lernen!

Dicke Lippe mit The Bukowskies

Blasse Visage, schwarze Sonnenbrille und dicke Lippe. Tiefdunkle Lederjacke, weißes T-Shirt und die Fluppe im Mundwinkel: Cooler kann man als Anfangszwanziger nicht daherkommen. Wer dann noch Baudelaire liest und dem Alkohol nicht abgeneigt ist, der kann eigentlich nur in einer Band spielen, die The Bukowskies heißt und bevorzugt in Abrisshäusern abhängt. Das klingt alles sehr nach Rebel Without Cause. Das Quartett aus Liège um Sänger Andrea Lafontaine hat offenkundig dies gesammelten Strokes-Alben im Schrank und kann eine gewisse Faszination für Julian Casablancas nicht abstreiten. Gleichwoh! Bei allem Gitarrengeschrammel kommt es doch darauf an, dass diese Songs dringlich klingen, exakt auf den Punkt kommen und dabei auch noch reichlich Stil haben! Und das tun die Tracks, die auf dem Debütalbum „Opium“ versammelt sind! Mag sein, dass die reichlich abgewrackte Industriemetropole Lüttich doch einige Gemeinsamkeiten mit der Bronx hat! Den verdammten Poeten von Bret Easton Ellis bis zum Namensgeber der Band steht man offensichtlich emotional ziemlich nahe. Und kann nicht so wirklich verbergen, dass sich hinter der großmäuligen Attitüde doch empfindsame Herzen verbergen. Vor allem aber haben diese Jungspunde die wichtigste Lektion schon gelernt: Weniger ist mehr! Wer im noch schmalen Oeuvre der Band stöbert, wird unweigerlich beim rohen Live-Video zum Track „Tacite“ hängenbleiben und sich wünschen, bei diesem Gig dabeigewesen zu sein! The Bukowskies nehmen die Rolle der charmanten Arschlöcher übrigens mit solchem Enthusiasmus an, dass sie sogar einen Song danach benannt haben. Chapeau, Messieurs!