Le Colisée: Ach, die vertrackten, eleganten Gefühle!

Vertrackte Gefühle leichtfüßig daherkommen zu lassen: ganz schön schwierig. Le Colisée aus Louvain La Neuve  liebt zarte, flüchtige Impressionen, mit entspannter Hand dahingeworfene Skizzen. Momentaufnahmen von großer Leuchtkraft. Irgendwo angesiedelt zwischen Chanson, Afrobeat, Schlafzimmerpop und schlauer Nachdenkerei. David Nzeyimana braucht nicht viel, um uns in traumwandlerische Gefühlswelten zu versetzen: Stimme, Gitarre und Loop Station. Damit driften wir mit dem Anfangszwanziger ab in Welten, in denen sich die Dinge dezidiert nicht fassen lassen und man lieber tagträumt denn faktentreu agiert. Le Colisée postitioniert sich selbstbewusst als Wandler zwischen den Stilen. Macht eine leichte Schrulligkeit unbedingt tanzbar. Man weiß nicht recht, wie einem geschieht, aber diese sanft-komplexen, gleichwohl eleganten Soundspielereien ziehen uns mit hoher Zärtlichkeit in ihren Bann. La Coliseée zeigt nebenbei noch ganz unaufällig, dass romantische Emotionen durchaus Elemente latenter Aufmüpfigkeit beinhalten können. Denn sicher ist in diesen pusteblumengleich dahingleitenden, aber unauffällig präzisen Songs gar nichts! Le Colisée hat bislang eine EP vorgelegt und arbeitet aktuell an seinem Debütalbum. Bruxelles Ma Belle hat den jungen Musiker im famosen Musée Antoine Wiertz in Brüssel ganz wunderbar in Szene gesetzt!

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Azerty himmeln die Bäume an

Die gute, alte Simon And Garfunkel-Tradition: Zwei blasse, schlaue Grübler. Zwei Gitarren. Zwei Stimmen. Und das reicht vollkommen aus, um in himmlische Höhen abzuheben. Pierre Leroy und Arnaud Clément heißen die beiden bebrillten Barden aus Brüssel, die ihr gemeinsames Bandprojekte Azerty nennen. Und in sympathisch-bescheidener Weise den Neo-Folk hochhalten, wie er in den 60er Jahren im Greenwich Village in New York zelebriert wurde und neuerdings von Bands wie Mumford And Sons gepflegt wird. Schön reduzierte kleine Songperlen sind es, die voller sanfter Melancholie und stiller Hoffnung sind. Azerty machen kein großes Tamtam um sich, sondern blühen lieber im Verborgenen. Was ihnen dieser Tage schwerer fallen dürfte, da sie von ihren Freunden Girls In Hawaii als Support für deren aktuelle Ungplugged-Tour durch Frankreich, Belgien und die Schweiz mitgenommen wurden. Eine erste EP ist derzeit im Entstehen, die voraussichtlich Anfang kommenden Jahres in Belgien herauskommen wird. Via Bandcamp kann man den Demos lauschen, auf denen sich das Duo mitunter durchaus lebhaft gibt und in solch leidenschaftliche Schöngesänge ausbricht, dass Herzen fast brechen müssen. Aber am schönsten ist das improvisierte Video, in dem die beiden in dummen Strohhütchen und karierten Bermudas in einer dusteren Unterführung stehen und ein Lied namens „I Pray The Trees“ singen, in dem sie die Bäume anhimmeln. Wunderbar!

 

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Dass die Unplugged-Tour von Girls In Hawaii eine wunderbare Sache werden dürfte, sollte an dieser Stelle auch nicht unterschlagen werden. Leider sind keine deutschen Termine dabei. Aber auf der sehr empfehlenswerten Website Bruxelles Ma Belle, auf der man die belgische Hauptstadt via ihrer Musik an ungewöhnlichen und meist schönen Orten entdcken kann, gibt es zumindest kleinen Trost: Eine Livea-Aufnahme des Tracks „Rorschach“, eingespielt in der ehrwürdigen Jugendstil-Bibliothek Solvay.

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