Sibirien oder Texas, egal! Schräge Töne mit der Condor Gruppe

Wer sein Album „Latituds des Cavall“ nennt, der erntet schon mal Stirnrunzeln. Muss wohl katalanisch sein, oder? Und wenn die Band dann auch noch Condor Gruppe heißt, ist die Verwirrung schon fast komplett, bevor man auch nur einen einzigen Ton gehört hat. Dass das Debütalbum der Fünf aus Antwerpen musikalische Grenzgängereien de Luxe liefert, überrascht dann nicht mehr wirklich. Es sind ausufernde Klangreisen zwischen Krautrock, Spätsechziger- und Frühsiebziger-Psychedelik, die das Quintett unternimmt. Die man aber raffiniert mit exotischen Sounds verbindet, welche mit der gemeinen Weltmusik nichts zu tun haben. Das Quintett liebäugelt mit Klängem, die in verdorrten texanischen Wüstendörfern in der Jukebox gespielt werden könnten. Die aber auch in sibirischen Schamanenkreisen nicht auffallen täten. Selbst in abgelegenen Ecken Südamerikas würden die Belgier mit diesen Klängen nicht als Sonderlinge gelten. Von den feinen jazzigen Anklängen der Antwerpener wollen wir erst gar nicht anfangen! Condor Gruppe kommen weitgehend ohne Gesang aus. Man klangmalert, man jammt, man irrt mit Bedacht vom Wege ab. Es sind ureigentlich Soundtracks für karge Landschaften, die Condor Gruppe abliefern. Die einzige Referenzband, die in den Sinn kommt, sind die leider aufgelösten Mayar Posse aus Finnland. Beide Bands könnten die Filmmusik für ein maulfaules Road Movie liefern, in dem die hoffnungslos verlorenen Helden ohne Ziel durch menschenleere Landschaften irren, über denen sich ein mitleidloser Himmel wölbt. Wobei die Condor Gruppe einen guten Tick verspielter daherkommen. Und mit Sicherheit mehr Spaghetti-Western geguckt haben als die Finnen. Besonders gefallen tut der Track „Ondt Blod“ mit dem charakterischen Texicana-Pfeifen. Diesen Film wollen wir sehen!

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