Ich bin älter, als du denkst: Josefien Deloof

Junge Frau in Schwarz: Josefien Deloof

Eine junge Frau mit Gitarre. Josefien Deloof aus Brügge. Das könnte langweilig sein, wenn die gerade mal 19jährige bloß schüchtern vor sich hinklampfen- und piepsen würde. Das tut sie aber nicht! Denn Josefien Deloof hat eine Stimme zum Aufhorchen. Spröde, heiser, leicht kieksend und sehr anders! Wer ganz weit zurückdenkt, fühlt sich an bisweilen die unvergessene Melanie erinnert! Eine Stimme, die sehr erwachsen klingt und reichlich lebenserfahren. Ich bin älter, alis du denkst, singt sie im feinen Track „Please“. Mitunter geht es hier ins Soulige hinein, und Darkpoppige sowieso. Aufmerksam geworden auf die Sängerin bin ich über die immer geschmackssicheren Indies Keeping Secrets Brussels, die Josefien Deloof jüngst zu einem ihrer Geheimkonzerte geladen haben. In der belgischen Musikszene hat die Nachwuchsmusikerin zumindest schon aufgefallen: Beim Newcomer-Wettbewerb „Westtalent“ hat sie in diesem Jahr den zweiten Preis geholt und beim noch renommierteren Wettstreit De Nieuwe Lichting mischt sie auch noch mit. Ein großes Werk hat Josefien Deloof naturgemäß noch nicht vorzuweisen. Auf den Seiten der Talentsucher von vi.be kann man aber ausführlich in ihre dunklen, desillusionierten Klänge hineinhören. Das Live-Video zu „Please“ gefällt ausnehmend gut!

 

Bloß keine Herzen brechen! Modern Art

Zugegeben: Modern Art ist ein ziemlich bescheuerter Bandname. Wie soll man euch denn finden in den Weiten des Webs, liebe fünf Jungmänner aus Gent? Dabei wäre es zu schade, wenn die Welt auf diese überschwänglich melancholischen, sehr animierten Harmoniegesänge verzichten müsste! Die in bester Poptradition Überschwang mit Melancholie und Coolness verbinden! Hach, es wird einem angenehm blümerant ums Herz! Bloß keine Herzen brechen, wie ihr putzmunter im sehr feinen Track „Nathaly“ verkündet! Das klingt sehr elegant, sehr urban und imb besten Sinne altklug. Woher wisst ihr dass denn alles schon mit Mitte 20? Dass diese intelligenten und sehr leichtfüßigen Töne durchaus in den Gehörgängen hängenbleiben, das zeigt allein schon die Tatsache, dass die Jungs rund um Songschmied Brecht De Moor zu den acht Finalisten des Nachwuchswettbewerbs De Nieuwe Lichting gehörem, der vom Radiosender Studio Brussel veranstaltet wird. Die Konkurrenz war ziemlich illuster! Viel haben die Fünf noch nicht vorzuweisen, aber wer einen federleichten Track auf Herrn Hindenburg  schreibt, der hat unbedingt mein Wohlwollen!

Mitternachtsschwimmen mit St. Grandson

Klassisches Songwritertum , das keinen Kniefall vor aktuellen Moden machen muss. Sich auf fast schon altmodische Tugenden besinnen: Kleine, klare Geschichten erzählen. Nicht zu dick auftragen. Wissen, dass weniger mehr ist. Und dann anfangen zu träumen, aber wie! Genau das tut St. Grandson! Hinter dem Projekt steckt der junge Musiker Benjamin Decloedt aus Gent. Der vorrangig mit Gitarre und Stimme auf den Fußspuren von Szenegrößen wie Bon Iver oder auch Simon & Garfunkel wandelt, aber in seine ruhigen Tracks eine gute Prise Pop-Sensibilität unterjubelt. Und der in seiner ersten Single „Midnight Swim“ feine Spannungsbögen aufbaut, die sich erst beim dritten Hören als komplexe Gebilde erweisen. Mitunter fühlt man sich hier auch an den färingischen Sänger Teitur und dessen lebhafte Ernsthaftigkeit erinnert. St. Grandson arbeitet, so weit ich das überblicke, derzeit an seinem Debütalbum. In seiner Heimat ist der Musiker zuletzt dadurch aufgefallen, dass er es unter die Finalisten des renommierten Nachwuchswettbewerbs De Nieuwe Lichting geschafft hat. Von diesem blassen Jungspund dürfte man noch hören!

Die vielleicht intensivste Einführung in das noch schmale Werk von St. Grandson bietet eine wunderbar atmosphärisch Live-Aufnahme des Tracks „I Swear, I Want“ in der lichten St. Jakobs-Kirche in Gent. Schön!