Die traurigen Tropen mit Dijf Sanders

Die Sehnsucht nach den Tropen. Kann man auch im viktorianischen Gewächshaus im Botanischen Garten pflegen! Wie eine Kurzrecherche ergibt, hat auch die flämische Metropole Gent eine wunderbaren Botanischen Garten an der Universität, gleich am Zitadellen-Park. Durchaus möglich, dass sich Dijf Sanders bei seinen Besuchen dort für sein neues Album „Moonlit Planetarium“ inspirieren ließ. Der eigenwillige Elektronik-Tüftler begibt sich hier auf den Pfad der bewussten Entschleunigung. Pflegt schrullige Sound-Ideen, die zwischen Exotica, Jazz, experimentellem Pop, Electronica und Filmmusik changieren. deifÜberraschungen lauern in diesem Gewächshaus hinter jeder grünen Ecke! Es blubbert, es knarzt und es zirbt. Da sind Tiere im Dschungel unterwegs! Das klingt geheimnisvoll, ist mitunter leicht mystisch angehaucht und bricht an den unerwarteten Stellen in eine stille Euphorie aus. Man lausche nur dem Titelstück! Zugegeben: Das klingt mitunter sperrig, aber zieht dann doch unerwartet in den Bann, wenn die Schlangenbeschwörer-Flöte auf Posaune und knorzigen Sprechgesang trifft. Und damit der erstaunlichen Entdeckungen noch nicht genug: Im tiefenentspannten, erzcoolen „Wakeboard“ wandelt Sanders plötzlich auf den Spuren der unvergessenen australischen Eurodisco-Weirdos Flash And The Pan. Nur um im geheimnisvollen „Donderdag“ seinen finnischen Brüdern im Geiste, den waldschratigen Paavoharju, die Hand zu reichen. „Moonlit Planetarium“, dem man zur Gänze auf Bandcamp lauschen kann, das ist ein Album so recht für einen verregneten, kalten Junisonntag wie diesen, an dem man die Gedanken beim Blick auf Wolkenungetüme vor dem Fenster wunderbar schweifen lassen kann.