Float Fall: Irgendwann wirst du wieder lächeln

Es wird zwar eine Weile dauern, aber irgendwann wirst du auch wieder lächeln. Wenn du dich endich emotional davon erholt hast, dass wir uns getrennt haben. Eigentlich geht es im Song „Someday“ um schmerzhafte Gefühle. Aber weil Float Fall aus Leuven diese Erfahrungen auf solch bittersüße Weise beschreiben, entsteht dadurch doch eine kleine Liebesgeschichte in Moll. Rozanne Descheemaeker und Ruben Lefever bescheren der Melancholie hier eine sanfte Luftigkeit, so dass erdenschwere Depressionen erst gar nicht aufkommen wollen. Dem Duo aus der flandrischen Universitätsstadt sind alle hektischen Töne fremd, ähnlich übrigens wie ihren wunderbaren Landsleuten Amatorski. Die Entdeckung der kunstvollen Verlangsamung: Hier wird sie zelebriert, unter tätiger Mithilfe sparsam eingesetzter Electronics und gefühlvoller Synthies. Die Hauptrolle spielen die beiden Stimmen, die sich samtpfötig umgarnen wie verliebtes Katzenvolk.

Auch mit der Veröffentlichung eines Albums lassen sich die Belgier Zeit, denn außer „Someday“ liegt noch kein weiterer Track vor. Dafür hat man aber im Frühjahr bereits beim SXSW in Austin gespielt. Und, Trommelwirbel, morgen auch beim Reeperbahn Festival in Hamburg. Unglücklicherweise ausgerechnet fast zeitgleich mit den famosen Landsleuten Douglas Firs! Da fällt die Entscheidung schwer, wo ich hingehen soll…

Wisperpop mit Love Like Birds

Selbsterkenntnis ist doch eine wunderbare Sache. Vor allem dann, wenn sie zutreffend ist. Bevor also irgendwelche rotgesichtigen Rezensenten auf dummdoofe Ideen kommen, definiere ich meine Musik doch lieber selbst, wird sich Elke De Mey aus Gent gedacht haben. Verortet ihre eigenen, schön verlangsamten Töne unter „Wohnzimmerpop“ und „Wisperfolk“ und liegt damit genau richtig. Love Like Birds heißt ihr feines Projekt für alle Dämmerstunden dieser Welt. Nachdenkliche, schwebende Songs sind das, von großer Sanftheit. Die gerade in ihrer Reduziertheit um so mehr Raum für große Gefühle bieten.

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Erstmals gelauscht habe ich Love Like Birds als Support der eigenwilligen isländischen Chanteuese Sóley im stets auf der Höhe des guten Geschmacks befindlichen Heidelberger Karlstorbahnhof. Und war hingerissen. Die Wahlverwandtschaft der beiden Musikerinnen ist offenkundig, aber trotzdem kommen beide aus unterschiedlichen Traditionen. Bei Love Like Birds schwingt eine Ahnung an die Chanson-Tradition ihres Landsmanns Jacques Brel mit. Und auch ein Hauch alteuropäischer Traurigkeit. Das sind keine Elfen, die durch diese kleinen Songs geistern, sondern die Schimären verhangener Geschichten. Elke De Mey nähert sich ihren Geschichten mit großer Behutsamkeit. Lo-Fi heißt in ihrem Fall nicht sympathische Schlunzigkeit, sondern bewusstes Sich-Zurücknehmen. Die einzig bislang erschienene, selbst betitelte EP ist en kleines Schatzkästlein feinnerviger Empfindungen, bar jeder effektheischenden Selbstinszenierung. Und nur eine kleine Nebenbemerkung: Island und Belgien sind sich doch insofern ähnlich, dass die musikalische Szene überschaubar ist und man ständig Überschneidungen entdeckt. So wurde die Debüt-EP von Love Like Birds von Jinte Deprez von Balthazar und Gertjan Van Hellemont von Douglas Firs produziert.

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Schimmern und glänzen mit Douglas Firs

Einen Song über den Verzehr von Brokkoli zu schreiben – auf diese Idee muss man erstmal kommen! Natürlich geht es in dem wunderschön reduzierten Piano-Stückchen „Shimmer And Glow“ auch um die Sehnsucht, endlich irgendwo anzukommen und um die dringliche Bitte, doch vor dem Fall ins Chaos bewahrt zu werden. Douglas Firs ist ein schöner Name für einen sensiblen bebrillten Grübler, aber mit bürgerlichem Namen heißt der junge Mann aus Gent Gertjan Van Hellemont. Und auch wenn es zunächst kaum so klingen mag, Douglas Firs sind eine Band: Mit dabei sind Gertjans Bruder Sem, Simon Casier von den den belgischen Indierockern Balthazar und der Szene-VeteranFrederik Van Den Berghe.

„Shimmer And Glow“ heißt auch der Titel des Debütalbums der jungen Band aus dem flämischen Landesteil Belgiens. Die einen Stil pflegt, der zwischen songwriterhafter Zurückhaltung und indierockiger Hingabe oszilliert. Douglas Firs stellen sich sicherlich Paradies so vor, dass dort Bob Dylan, Ryan Adams und Bill Callahan um ein Lagerfeuer sitzen und genießerisch seufzen.Das Quartett bringt es auf  fabelhaft leichtfüßige Art fertig, melancholisch und euphorisch zur gleichen Zeit zu klingen. Und schafft es, nach all der inneren Irrlichterei doch noch ein kleines Feuerwerk am Abendhimmel abbrennen zu lassen. Douglas Firs spielen übrigens auf dem Reeperbahnfestival in Hamburg Mitte September. Man kann erwarten, die Autorin dieser Zeilen in Bühnennähe anzutreffen. Ach, und Douglas Firs, das klingt doch irgendwie vertraut? Jawohl, bei dem Bandnamen handelt es sich um Nadelbäume. Genauer gesagt um Douglasien, die man Weihnachten zuhauf ins Wohnzimmer zum Verwelken stellt. Passt irgendwie.