Musik in Zeiten des Terror-Bedrohung: Faces On TV

“Du willst wirklich nach Brüssel? Das ist doch viel zu gefährlich wegen Terror-Alarmstufe vier”, hatten Freunde besorgt gewarnt. Aber die Bedrohung war bereits auf Niveau drei gesenkt worden. Und die nonchalente Gelassenheit, mit der die belgischen Hauptstädter normalerweise den Herausforderungen des Alltags begegnen, die dürfte doch Garant genug sein, dass man sich um Normalität bemühen würde. Dachte ich. Und genauso war es auch. Soldaten und Polizei im Stadtbild vor öffentlichen Gebäuden, klar. Aber der Markt auf dem Parvis de Saint-Gilles findet an diesem Samstag statt, als ob nichts sei. Bunte Stände und wuselndes Publikum. Vor dem Café Maison Du Peuple sitzen die Leute wie üblich plaudernd, rauchend und trinkend. Und ein Konzert an ungewöhnlichem Ort gibt es an diesem milden Samstagnachmittag auch noch: Die Mädels von Indies Keeping Secrets Brussels haben in ein Abbruchgebäude ins Europaviertel eingeladen. In die ehemalige Residenz der prominenten sozialistischen Parlamentsabgeordneten Laurette Onkelinckx: Ein Prachtbau mit Parkettböden, großzügigen Treppenhäusern mit Jugendstil-inspirierten schmiedeeisernen Geländern und schicken Kaminen. Zierleisten sind bereits entfernt, alles ist kahl und leer. Ziemlich frisch dazu, denn die Heizung funktioniert nicht mehr. In wenigen Wochen kommen die Abrissbagger. Wie die Mädels es geschafft haben, ein Gig in diesem todgeweihten Gebäude zu organisieren, bleibt ihr Geheimnis. Keeping Secrets eben! facesUnd so mummelt man sich in Parkas und Decken ein und setzt sich auf den leicht angestaubten Parkettboden. Ich komme mit einem netten Mann ins Gespräch, der altersmäßig ein wenig über dem Durchschnitt der Versammelten liegt. Wie es sich herausstellt, ist es der Vater von Jasper Maekelberg, dem Sänger von Faces On TV, der an diesem Nachmittag solo beim Secrets-Konzert auftritt. Der extra aus Gent angereist ist, um den Sohn als Einzelkünstler an ungewöhnlichem Ort zu erleben! Jasper kommt betont bescheiden daher: Gitarre und viele kleine elektronische Helferlein. Und siehe da: Diese Klänge, von der Band selbst als “Trippop” bezeichnet, wirken in reduzierter Form besonders eindrücklich. Jaspers Falsettstimme, das elegante Leiden am Leben und an der Liebe, die innige Hingabe: Es sind wahrlich keine simplen Songs, die uns der Sänger hier darbietet: Kompliziert sind diese Sounds, ein wenig überkandidelt und unbedingt für müßige Dämmerstunden geeignet. Herzen brechen hier, aber auf die allerschönste Weise. Das große Melodram bietet Jasper as Solo-Künstler nicht, eher eine warm glühende Melancholie, die Herz und Wangen wärmt. So vergessen wir die Kälte einfach! Schöne Fotos von diesem ganz wunderbaren Geheimkonzert gibt es hier. Und die neue Faces-On-TV-Single “Love/Dead” ist auch sehr fein!

Ein Hoch auf die männliche Diva mit Faces On TV

Männliche Diven stehen fälschlicherweise unter dem Generalverdacht, unverbesserliche Zicken zu sein. Aber nein, aber nein! Denn zum Diva-Tum gehören zwingend ein leiser Lebensüberdruss, eine Lust am gehobenen Müßiggang und nonchalante Spielereien mit Nichtigkeiten. So zu tun, als gingen einem die Dinge überhaupt nichts an, weil man das Leben sowieso am besten auf dem Divan ruhend goutiert: Eine hohe Kunst, das! Jasper Maekelberg ist unbestritten eine männliche Diva, die sich im Werden befindet. Makelberg, die treibende Kraft hinte Faces On TV, zelebriert auf den ersten Veröffentlichungen seiner Band eine unterkühlte Form der Schwüle. Deutet lieber an. Dick auftragen ist seine Sache nicht. Lieber pflegt der Musiker aus Gent leise 60ies-Anklänge und intoniert in schleppendem Falsett-Gesang elaboriert-edle Klanglandschaften, die ihr Geheimnis zu wahren wissen. Die Single „Run Against The Stream“ ist jedenfalls hohe Cool-Kunst.