Händchenhalten mit Seed To Tree

Wenn du bloß meine Hand nehmen würdest! Dann könnte ich dich einfach fortbringen, irgendwohin, aber auf auf jeden Fall an einen Ort, wo es besser ist als hier! Seed To Tree haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass das Leben  noch schöner werden kann. Beim Start von Plan My Escape wurde versprochen, ab und zu einen Blick über die Landesgrenzen gen Luxemburg zu werfen. Wird hiermit eingelöst! Denn das Großherzogtum hat mit dem Rockhal im Örtchen Esch-Sur-Alzette nicht nur einen der besten Live-Clubs in Dreiländereck, sondern auch eine sehr lebendige Musikszene, über die man in Resteuropa nur wenig weiß. Seed To Tree, das Quintett um Sänger Georges Goerens, sieht sich unbedingt auf der Seite der emotionalen Verlierer. Aber begehrt trotzdem gegen die Tristesse auf und zieht mit großen Gefühlen in die Schlacht. Folkpoppig ist man gestartet, aber inzwischen sind rockige Gitarren hinzugekommen. Mit „The Wandering“ haben Seed To Tree im vergangenen Jahr ein feines, grundehrliches Album aufgenommen, das wunderbarerweise nicht groß auftrumpfen muss, um bei jedem Hören zu wachsen. Weniger ist manchmal mehr! Die luxemburgischen Fleet Foxes wollen wir nicht mehr sein!, scheinen Seed To Tree zu rufen. Wir schauen lieber mit offenen, klaren Augen auf den Alltag um uns herum und nehmen seismographisch auf, was sich an kleinen Dingen ändern könnte. Die Songs sind mit feinem Händchen arrangiert. Ein bisschen grenzwertmelancholisch, ein bisschen naiv und ein bisschen großäugig. Und wer schon immer wissen wollte, wie bescheidenes Pathos klingt, sollte den piano- und geigenverliebten Titeltrack hören. Ach ja, und das luxemburgische Englisch klingt allerliebst!

 

 

Frei wie die Möwen mit Sonnfjord

Sanfte Blau- und Grüntöne dominieren, wenn man die Website von Sonnfjord besucht. Klar, das müssen Skandinavier sein, Norweger wahrscheinlich. Falsch gedacht! Das Quintett um Sängerin und Gitarristin Maria-Laetitia Mattern kommt aus der Kleinstadt Braine L´Alleud vor den Toren Brüssels, wo vor 200 Jahren die Schlacht von Waterloo tobte. Verträumt, sanft und nachdenklich geht es hier zu, wenn Sonnfjord ihre folkpoppigen Songs mit leichter Feder zeichnen und die Fleet Foxes oder First Aid Kit als wichtige Einflussfaktoren nennen. Was hier den kleinen Unterschied ausmacht, das ist die helle, ausdrucksstarke Stimme von Maria-Laetitia Matern. Die es übrigens hervorragend vesrsteht, die Klaviatur der Zwischentöne zu bedienen! Die Debüt-EP „Wooden Hills“ ist gerade erschienen. Die Werkschau der Wallonen muss naturgemäß noch knapp ausfallen, aber das feine Video zu „Seagull“ spielt auf subtile Weise mit Eskapismus-Fantasien und dem starken Wunsch um die Bewahrung der kindlichen Unschuld und des naiven Blicks auf die Welt. Wegfliegen wie die Möwen, schön wäre das! Sonnfjord gelingt es hier bestens, eine zart ziehende Sehnsucht in unserer Magengrube zu erzeugen. Und das schaffen sie mit bewusster Zurückhaltung. Laute Töne sind die Sache von Sonnfjord nicht. Gut so! Und um die weiblichen Huckleberry Finns im Video brauchen wir uns wohl keine Sorgen machen: Die werden der durchgetakteten Erwachsenenwelt immer wieder mit nächtlichen Taschenlampensignalen Paroli bieten