Wir warten auf den Herbst mit Illuminine

Kevin Imbrechts schwelgt in kargen Soundlandschaften

Island ist und bleibt ein Sehnsuchtsland. Obwohl die schroffe Atlantikinsel derzeit bei Touristen so populär ist, dass die Preise nicht nur in der Hauptstadt Reykajvík durch die Decke gehen und den Isländern der eigene Erfolg als Reiseziel unheimlich zu werden beginnt. Gleichwohl: Für Illuminine alias Kevin Imbrechts ist und bleibt Island ein geheimnisvoller, magischer Ort. Sein zweites Album #2 hat er bereits im legendären Sundlaugin-Studio von Sigur Rós mit deren Toningenieur Birgir Jón Birgisson aufgenommen. Der junge Musiker aus der Universitätsstadt Löwen lässt sich auf seinem dritten Album #3 erneut von Island inspirieren und bewegt sich ernst und trotzdem federleicht auf den weiten Weiden zwischen Post-Klassik, Ambient, Instrumentalmusik und Movie-Soundtrack. Und achtet darauf, dass hier bloß kein Ton zu viel erklingt!

Vor der Veröffentlichung des Drittlings im November will uns der blasse Träumer schon ein wenig neugierig auf die Veröffentlichung machen – und uns vielleicht ein wenig auf den Herbst einstimmen. Für den ruhig schwebenden Track „Dying Flame“ hat er sich die Sängerin Hannah Corinne als Gast eingeladen. Wobei es schon wieder einen Island-Bezug gibt: Die junge Frau aus Maryland lebt seit geraumer Zeit auf der Atlantikinsel, wo sie ähnlich wie Illuminine ein spirituelles Zuhause gefunden hat. Die Stimme von Hannah Corinne ist von vogelhafter Zartheit und erinnert in der Tat an Mazzy-Star-Sängerin Hope Sandoval, einer der Lieblingssängerinnen von Kevin Imbrechts. Ganz langsam kommen die Dinge hier zum Stilllstand und verfärbt sich der Himmel zu einem tiefen Dunkelblau. Dazu könnten die ersten Blätter in Zeitlupe zu Boden sinken und wir uns ins Übergangsmäntelchen kuscheln. Endlich Herbst!

(Fotos: Lara Gasparotto und  Myra Fotografie)

Löwen meets Reykjavík: Illuminine

Es hat ziemlich lange gedauert, bis sich Kevin Imbrechts getraut hat, eine Mail an Birgir Jón Birgisson zu schreiben. Birgisson ist nämlich der Toningenieur der isländischen Postrocker Sigur Rós und somit für den jungen Stubenhocker aus der Universitätsstadt Löwen ein absolutes Idol. Kevin Imbrechts, der unter dem Künstlernamen Illuminine antritt und sich in den lichten Weiten zwischen Post-Klassik, Ambient, Instrumentalmusik und Movie-Soundtrack bewegt, hätte sich viel schon viel eher einen Ruck geben sollen: Denn binnen Stundenfrist antwortete der Birgisson und wollte gerne mit dem völlig unbekannten Musiker aus dem fernen Belgien zusammenarbeiten! Der junge Mann reiste also für zwei Wochen nach Reykjavík, wo Birgisson den Songs des Illuminine-Debütalbums „#1“ im legendären Sundlaugin-Studio von Sigur Rós den letzten Schliff verlieh. So kann es gehen, wenn man sich endlich ein Herz fasst!

Dass Imbrechts alias Illuminine (benannt übrigens nach einem Thurston-Moore-Song!) ein nachtaktiver Künstler ist, mag man nach ausführlichem Hören dieser warmen, schwebenden und ätherischen Songs gerne glauben. Solche ruhigen, entrückten Töne zwischen Gitarre, Piano und sanften Electronica ersinnt man nicht inmitten des lärmigen Alltags! Die Tracks des Debütalbums überzeugen durch Verträumtheit, Präzision und meditative Romantik. 14 minimalistische Songs. Alles kleine Preziosen, die durch komplexe Stimmungswelten flanieren. Dabei auf jeden überflüssigen Ton verzichten und trotz der Jugend des Komponisten (Imbrechts ist Mitte 20) eine große Gelassenheit ausstrahlen. In Belgien spielt Illuminine aktuell als Support von Amatorski. Passt!

Der Song „Dualisms“ ist angenehm vertrackt und dennoch federleicht!