Die Farbe Mitternachtsblau mit Eszra

Lichte Dämmerwelten mit Eszra

Lichte Dämmerwelten mit Eszra

Schön nachdenklich und wunderbar verträumt: Eszra aus Gent malen sich die Welt in mitternachtsblauen Farben. Das Trio um die langbezopfte Sängerin und Pianistin Joke Derre wandelt auf den Spuren von Fiona Apple, Joni Mitchell und Tori Amos. Mit einem kleinen Fokus auf Neoklassik. Einen gewissen Hang zur Melodramatik kann man der jungen Band nicht absprechen, wenn sie mit angenehm reduzierten Songs wie dem streicherumschwärmten „Erase your Spell“ in Richtung eines blassen Sternenhimmels entschwindet. Die kleine Ballade zur Kunstform erheben und auf luftige Weise folkige Töne einschmuggeln: Keine einfache Aufgabe, das! Am meisten bei sich scheint die Newcomerin dann, wenn sie selbstvergessen am Klavier sitzt und über die flüchtigen Dinge des Lebens nachdenkt. Und die Akkorde fein vor sich hintupft. Die junge Band steht noch völlig am Anfang: Ein großes Oeuvre hat sie noch nicht vorzuweisen. In Belgien haben sie es aber immerhin kürzlich in das Finale eines renommierten Nachwuchswettbewerbs geschafft, zu dessen früheren Gewinnern heutige Szenegrößen wie Balthazar gehören.  Ausführlich hereinhören in die Eszra-Welt kann man über die feine Informationswebsite vi.be, die ohnehin immer für feine Entdeckungen gut ist. Eszra stehen noch so am Anfang, dass die üblichen verdächtigen Kanäle noch leer sind. Aber ein kleines Live-Video gibt einen guten Eindruck!

Marta Rosa schläft bis zum Frühling

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Von Abbiategrasso nach Gent mit Marta Rosa

Marta Rosa will so lange schlafen, bis die Blütenblätter wieder sanft auf ihre Haut regnen: Kann man angesichts des trüben Novemberwetters sehr gut verstehen, diesen Wunsch! Vielleicht sehnt sie sich im nebeligen Gent bisweilen auch nach ihrem italienischen Heimatstädtchen Abbiategrasso in der Nähe von Mailand, wer weiß? Dabei hat die junge Italienerin, die seit 2012 am Königlichen Konservatorium in Gent ihren Master im Fach Jazz Vocals macht, sehr viel Anlass, sich in der superlebendige Musikszene der flämischen Metropole wohlzufühlen: Denn hat sie viele unterschiedliche Musiker kennengelernt, darunter auch den Bassisten Nils Vermeulen, den Gitarristen Artan Buleshkaj and den Drummer Simon Raman. Gemeinsam bilden sie die Band Marta Rosa, die im Frühjahr ihr feines Debütalbum „Invertebrates“ vorgelegt haben. Die vier erkunden mit leichter Hand und sanfter Bittersüße die ewig aktuelle Frage, was die äußere Welt und die innere Welt verbindet. Wer nun klassischen Jazz erwartet, wird sich enttäuscht sehen: Marta Rosa zelebrieren feinen Nachdenklichkeitspop und streifen empfindsame Singer-Songwriter-Sounds. Liebäugeln mit dem Chanson, brechen überraschend in rockige Intermezzi aus und sind gerne auch mal übermütig und großäugig- naiv wie im kleinen Albumhöhepunkt „Shoes, Rocks And Boxes“. Wo sie sich einen Spaß daraus machen ihre Schuhe auf dem Kinderkarussel stehenzulassen, damit sich diese lustig weiterdrehen können. Marta Rosa liebt die präzise Improvisation und pflegt dabei eine zärtliche Lebensfreude. Das klingt mitunter wie klassische Joni-Mitchell-Schule, aber eben nur für Momente! Die junge Musikerin hat mit ihren drei Mitstreitern in Belgien in diesem Jahr erfolgreich an verschiedenen Nachwuchswettbewerben teilgenommen und ist unermüdlich in der Welt herumgstromert. Hat in Kathmandu Jazzvocals unterrichtet, in China zeitgenössischen Jazz studiert und in Brooklynn mit dem ekuadorianischen Gitarristen Luis Castro gearbeitet. Aber während all dieser Reisen ist sie die neugierige junge Frau geblieben, die sich mit weit offenen Augen durch die Welt bewegt und in Gent ihr künstlerisches Zuhause gefunden hat. Wer ausführlicher in ihre intelligenten und stillvergnügten Songs hineinhören will, kann dies bestens über die sehr empfehlenswerte flämische Site vi.be tun. Und den grauen November draußen vergessen!

 

(Foto Rachel Gruijters)