Im Wintergarten mit The Feather

Tagträume sollten so luftig sein wie Federn, die durch die Lüfte segeln. Trödeln und die Zeit vergessen sollte man beim Tagträumen. Müßig im Wintergarten sitzen oder schlendernd sonnige Gassen flanieren. Zu den Sounds von The Feather lässt sich bestens müßiggehen! Und es gibt sogar einen Song über Wintergärten! Hinter dem Projekt steckt der Musiker Thomas Medard aus Liège, der auf seinem Solo-Debütalbum „Invisible“ den Universalkünstler gibt und sämtliche Instrumente von der Gitarre bis zum Glockenspiel selbst eingespielt hat. „Homemade Indiepop“ nennt er seine Mélange aus singer-songwriterhafter Innerlichkeit, poppiger Leichtfüßigkeit, zarter Melancholie und jeder Menge Schwärmerei! Und irgendwie meint man, hier noch einen Tick Montmartre-Bohème á la Amélie herauszuhören. Denn eine ganz kleine Prise Übermut ist hier das Körnchen Pfeffer in der Suppe! Dem gesamten Album kann man erfreulicherweise via Bandcamp lauschen!

An diesem grauen Abend gefällt das verspielte „Rays“ ganz besonders. Zu dem man die schneematschbedeckte Straße fast schon herunterhüpfen möchte. Weil man sich über die zurückgenommene Zärtlichkeit dieses Tracks freut!

„Invisible“ ist bereits im Herbst vergangenen Jahres in Belgien herausgekommen. Bei uns erscheint das Debüt am 27. Februar bei den netten Menschen von Popup Records. Und dazu gibt es auch eine Tour, die erfreulicherweise auch in meine Nähe führt.

17.03. Mainz – Schon Schön
18.03. Chemnitz – Aaltra
21.03. Berlin – Lido @ KarreraKlub
24.03. München – Glockenbachwerkstatt
25.03. Nürnberg – MUZ
26.03. Freiburg – Swamp
27.03. (CH) Bern – tbc
28.03. Stuttgart – Café Galao

Zum Einstimmen gibt es das verhalten euphorische „Sighs“, wo der Meister durch verschneite (Ardennen?)-Wälder stapft. Auch schön!

Postpubertäre Zukunftsangst: Kennedy´s Bridge

Britisch inspiriert klingt es schon, was Kennedy´s Bridge aus Liège spielen: nervös-souveränen Indiepop mit einem Hauch Dicke-Lippe-Attitüde und jede Menge postpubertärer Zukunftsangst.  Mag ja daran liegen, dass die wallonische Metropole mit ihren immer noch aktiven Stahlwerken und den heruntergekommenen Arbeitervierteln in Teilen so aussieht, als sei Billy Elliott dort gedreht worden. Liège ist sicherlich keine Stadt, in der man mit feinsinniger Schwärmerei durchkommt: Hier sind eine gesunde Rotzigkeit und eine gepflegte Nöligkeit im Alltagsleben sicherlich von Vorteil. Warum sich die fünf Anfangszwanziger von Herrn Kennedy als Namensgeber inspirieren ließen, bleibt unerklärt, was aber nicht wirklich stört. Denn das Quintett verströmt eine präzise Energie, gepaart mit allerlei gekonntem Elektronica-Schnickschnack, ohne dabei an straßenköteriger street credibility einzubüßen. Unbekümmertheit zählt!

Im März haben die Jungspunde ihre EP „Basics“ vorgelegt, in der sie zeigen, dass unter der coolen Attitüde durchaus ein Hang zur ausufernden Seufzerei vorhanden ist. Gut so! Dem Album kann man zur Gänze via Bandcamp lauschen. Besonders gefallen tut der flotte Track „Finland“, der nicht nur auf Britpop-Partys gut ankommen dürfte. Und man überlegt sich, mal irgendwann mal wieder einen Abstecher nach Liège zu machen, falls Kennedy´s Bridge dort spielen sollten. Und um die tollsten innerstädtischen Treppenstufen der Welt zu besuchen, die escaliers de la montagne de Bueren mit ihren 374 Stufen!