Wisperpop mit Love Like Birds

Selbsterkenntnis ist doch eine wunderbare Sache. Vor allem dann, wenn sie zutreffend ist. Bevor also irgendwelche rotgesichtigen Rezensenten auf dummdoofe Ideen kommen, definiere ich meine Musik doch lieber selbst, wird sich Elke De Mey aus Gent gedacht haben. Verortet ihre eigenen, schön verlangsamten Töne unter „Wohnzimmerpop“ und „Wisperfolk“ und liegt damit genau richtig. Love Like Birds heißt ihr feines Projekt für alle Dämmerstunden dieser Welt. Nachdenkliche, schwebende Songs sind das, von großer Sanftheit. Die gerade in ihrer Reduziertheit um so mehr Raum für große Gefühle bieten.

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Erstmals gelauscht habe ich Love Like Birds als Support der eigenwilligen isländischen Chanteuese Sóley im stets auf der Höhe des guten Geschmacks befindlichen Heidelberger Karlstorbahnhof. Und war hingerissen. Die Wahlverwandtschaft der beiden Musikerinnen ist offenkundig, aber trotzdem kommen beide aus unterschiedlichen Traditionen. Bei Love Like Birds schwingt eine Ahnung an die Chanson-Tradition ihres Landsmanns Jacques Brel mit. Und auch ein Hauch alteuropäischer Traurigkeit. Das sind keine Elfen, die durch diese kleinen Songs geistern, sondern die Schimären verhangener Geschichten. Elke De Mey nähert sich ihren Geschichten mit großer Behutsamkeit. Lo-Fi heißt in ihrem Fall nicht sympathische Schlunzigkeit, sondern bewusstes Sich-Zurücknehmen. Die einzig bislang erschienene, selbst betitelte EP ist en kleines Schatzkästlein feinnerviger Empfindungen, bar jeder effektheischenden Selbstinszenierung. Und nur eine kleine Nebenbemerkung: Island und Belgien sind sich doch insofern ähnlich, dass die musikalische Szene überschaubar ist und man ständig Überschneidungen entdeckt. So wurde die Debüt-EP von Love Like Birds von Jinte Deprez von Balthazar und Gertjan Van Hellemont von Douglas Firs produziert.

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