Morbides zur Karwoche mit Krankland

krankland

Zelebriert die Ästhetik verdorbener Früchte: Thomas Werbrouck.

Wenn ein Bandprojekt sich Krankland nennt, dann ist kaum davon auszugehen, dass es sich hier um freundlich lächelnde Frohnaturen handelt. Bei einem solchen Namen ist die Welt irgendwie aus den Angeln! Krankland ist das Projekt von Thomas Werbrouck, der bislang als Mitglied der eigenwilligen Genter Noiserocker Little Trouble Kids aufgefallen ist. Wie die Fama es will, hat Wouters beim Griff in die Pralinenschachtel des Lebens zuletzt nur die Bitterschokolade erwischt. Job verloren, allgemeine Tristesse etc: Da liegt es doch nahe, dass man in der Gemeinschaft von Schmerzensmännern wie Nick Cave , Tom Waits und Elliott Smith Trost sucht. Zumal den Musiker die Schlaflosigkeit plagte. Kann schon sein, dass in den dunkelsten Stunden kurz vor Sonnenaufgang die morbiden Gedanken kommen.  Der Track „Rat Race of the Slugs” vom Album „Wanderrooms“ ist eine echte Schauerballade in bester Tom-Waits-Tradition! Eine Studie in schwarzer Romantik, in der die Spieluhren verstimmt sind und die Dämmerung nicht weichen will. Das Ganze muss einfach in einem victorianischen Gewächshaus spielen! Im Video zu „Rat Race Of The Slugs“ tut sich Sinistres mit einer sehr unangezogenen Dame und verdorbenen Früchten. Man könnte sich fast in ein Gemälde von Werbroucks Landsmann James Ensor versetzt fühlen! Via Bandcamp kann man ausführlich in das krause und wunderliche musikalische Universum von Herrn Krankland hereinhören und muss sich, so viel sei verraten, nicht übermäßig gruseln. An den Drums sitzt hier übrigens Ex-Balthazar-Drummer Christopher Claeys.

Liebe tötet: Candle.Bags

Die dunkle Dame, das ist sie unbedingt. Inge Henrotay, Sängerin der Avantgardisten Candle.Bags, hat eine glamourös gepeinigte Stimme und irrlichtert gekonnt zwischen experimenteller Weltschmerz-Lady und laszivem Nachtschattengewächs. Leicht zu goutierende Töne sind es nicht, die Inge und ihr Cousin Dirk Henrotay hier präsentieren. (Übrigens Cousins in der Musikgeschichte: Wo gibt es das noch?) Wenn der Titel der Debüt-EP „Love Kills“ heißt, dann ist kaum zu erwarten, dass es hier um harmlose, sanfte Liebelei geht. Das Duo aus dem südbelgischen Hasselt verbirgt sich gerne hinter dichten Bäumen und will sich auf dem Erstling partout nicht stilistisch festlegen. Garage, Grunge, Postpunk, Soul, Wave und Düsterpop sind hier Geschwister. Und dass Inge Henrotay nicht nur singt, sondern auch als Flötistin überzeugt, ist nur eine der Überraschungen, die hier geboten werden. Heftige Ausbrüche und fast schon kontemplatives Innehalten sind auf diesem Debüt keineswegs Widersprüche! Grenzwert-hysterisch auf Tracks wie „Albert“, rockige Femme-Fatale auf „Old Stone“ oder Shirley Mansons verloren gegangene belgische Schwester in „Secret Garden“: Inge Henrotay verkörpert das alles und noch viel mehr! Über die empfehlenswerte Website vi.be kann man ausführlich in diese mitunter verstörenden Sounds hineinhören. Ach, und die unbestreitbare Seelenverwandtschaft mit Nick Cave habe ich bislang noch unterschlagen! Im gekonnt verschleppten, nur beim ersten Hören sanften Track „B-ordeaux“ kann man übrigens auf subtile Weise das Gruseln lernen!