Der Dandy-Düstermann: Warhaus

Man könnte ja fast meinen, dass sich so mancher Musiker unterbeschäftigt fühlt. Angesichts dieser Fülle von Nebenprojekten! warhausZu den Künstlern, die solo eine neue Facette ihres kreativen Schaffens zeigen, gehört neuerdings auch  Maarten Devoldere, Sänger der Indierockhelden Balthazar aus Gent. Als Warhaus entpuppt sich der Meister als Düster-Dandy von hohen Gnaden. Einen ersten Vorgeschmack auf das im Herbst erscheinende Debütalbum „We Fucked A Flame Into Being“ bietet die die feine Single „The Good Lie“: In stylishem Schwarz-Weiß gefilmt (Regisseur: Wouter Bouvijn), verbeugt sich das dazugehörende Video respektvoll vor den klassischen Hollywood-Krimis der Schwarzen Serie. Der geheimnisvolle Fremde, die undurchsichtige blonde Schönheit und abgehalfterte Kommissare, die ein rätselhaftes Verbrechen aufklären sollen: Devoldere spielt hier gekonnt mit Genre-Versatzstücken und entpuppt sich nebenbei als talentierter Hobby-Zauberer. Musikalisch positioniert er sich in der Tradition eines angepoppten Leonard Cohen, eines barballdigen Tom Waits und eines Poète Maudit in der bester Serge-Gainsbourgh-Manier. Diese Verführung im Zwielicht einer abgeranzten Bar entwickelt ihr ganz eigene Form unterkühlt-abgündiger Erotik! Dass hier zwei Nachtschwärmer gehörig mit dem Feuer spielen: So entsteht eine dekadente Dynamik! Duettpartnerin  im Video ist Devolderes Lebensgefährtin Sylvie Kreusch, Sängerin der Elektropopsters Soldier´s HeartDer Albumtitel ist übrigens vom klassischen D.H.Lawrence-Roman „Lady Chatterley´s Lover“ inspiriert. Sexualität als letztes unentdecktes Abenteuer: Das waren noch Zeiten!

Foto: Titus Simoens

Zu Heiligabend ins Kloster mit Soldier´s Heart

Heiligabend darf es in einem Musikblog schon mal besinnlicher zugehen. Aus diesem Grund folgen wir Soldier´s Heart, einer Newcomerband aus Antwerpen, in ein ehemaliges Kloster nach Gent. Wo die Fünf sogar auf der ehrwürdigen Orgel spielen dürfen und hörbar ihren Spaß haben! Die Band um Sängerin Sylvie Kreusch besteht erst seit knapp einem Jahr. Pflegt eine angenehm zurückgenommene Form des verträumten elektronischen Pop von unauffälliger Eleganz. Erzählt kleine, aber durchaus vertrackte und auf unsentimentale Weise sehnsüchtige Songs. Wobei die helle, ausdrucksvolle Stimme von Sylvie Kreusch den Unterschied macht. Selbst wenn sie flüstert – wir hören ihr mit fast schon angehaltenem Atem zu!

Das Oeuvre von Soldier´s Heart fällt bislang recht schmal aus, aber die beiden auf Soundcloud zugänglichen Songs lassen in ihren ungestrengten Leichtigkeit doch aufhorchen. Mitunter flirren wie im feinen Track „African Heart“ auch jazzige Einsprengsel auf. In Belgien hat die Band, die sich nach dem Da-Costa-Syndrom benannt hat, schon mehrere Nachwuchswettbewerbe gewonnen. Zuletzt ist man mit den bereits bekanteren Landsleuten Balthazar durch England getourt und hat erste Auftritte in New York absolviert. Trotz aller Leichtigkeit weben Soldiers´s Heart sanft dunkelgraue Töne in ihre Tracks. Kein Wunder, dass sie ein schönes Cover vom Echo And The Bunnymen-Klassiker „The Killing Moon“ im Repertoire haben. Da dürfte durchaus eine gewisse Seelenverwandschaft bestehen! Soldier´s Heart spielen im Januar auf dem Eurosonic Festival in Groningen – ich bin gespannt darauf, die Fünf live zu erleben!

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=iSBBo_b_lbo&w=560&h=315]